leselust

 

bild-fuer-leselisteHier eine Auswahl von Büchern, die uns gefallen. Das sind keine Reisebücher, sondern andere Begleiter, die uns die Zeit versüßen oder Einblicke gewähren.

Oh, und falls Euch ein Buch gefällt und Ihr es kauft, bitte in einem echten Buchladen, am besten natürlich bei einem kleinen Händler. Wir können das zur Zeit kaum mehr. Vielleicht könnt Ihr unsere fehlenden Einkäufe ausgleichen…

2016

Im Juni gelesen

Die Rote Wand – Roman von David Peifer, Verlag Heyne
Ein junges Mädchen sucht in den Wirren des Dolomitenkrieges ihren Vater an der schrecklichen Front dieses Krieges. Als Junge verkleidet meldet sie sich selbst zu den Soldaten. Ein Roman nach einer wahren Geschichte. Sehr gut zu lesen und zeigt dabei faktengenau, was sich damals ereignete.

Schwarze Erde – Eine Reise durch die Ukraine von Jens Mühling, Verlag Rowohlt
Anhand von Begegnungen und Beobachtungen in verschiedenen Teilen dieses uns so unbekannten Landes erfährt der Leser Befindlichkeiten der Bewohner der verschiedenen Volksgruppen aus ihrer heutigen Sicht und der schicksalhaften Vergangenheit der bis 1991 von fremden Mächten beherrschten Ukraine. Es ist „das Porträt eines Landes in der Zerreißprobe“. Interessant und informativ, gerne würde der Leser, nachdem er das Buch gelesen und weggelegt hat, noch mehr erfahren.  

Im Mai gelesen

Couchsurfing im Iran – Meine Reise hinter verschlossene Türen von Stephan Orth, Verlag Malik
Wer locker, leicht, amüsant und ernsthaft etwas über den Iran und die Iraner erfahren will, steigt hier genau richtig ein. Der Reporter Stephan Ort ist durch den Iran gereist, hat verbotenerweise bei Privatleuten gewohnt und viel erfahren, vor allem die Gastfreundschaft der Iraner. Sehr lesenswert, macht enormen Appetit auf dieses Land.

Im April gelesen

Das barmherzige Fallbeil – Kriminalroman von Fred Vargas, Limes Verlag
Hochspannend führt uns Fred Vargas wieder einmal mit ihrem Kommissar Adamsberg durch die Lande. Vermeintliche Selbstmorde in Paris, eine Touristengruppe in Island und Robespierre. Wie hängt das zusammen? Mit herrlichen Dialogen der Ermittler und fein erarbeiteten Zusammenhängen ist dieses Buch ein spannendes Lesevergnügen.

Im März gelesen

Das Reich Gottes von Emmanuel Carrère, Verlag Matthes & Seitz Berlin
In einem dokumentarischen und gleichzeitig fiktiven Text begibt sich Carrère auf die Fährte des Revolutionärs Paulus und des Intellektuellen Lukas und schildert die Entstehung des Christentums. Ein wichtiges Buch, aber eine nicht leicht zu verdauende Lektüre. Carrère behandelt den Stoff aus seiner heutigen Sicht als Zweifler und aus der Sicht von vor Jahren, als gerade zum Glauben Zurückgefundener. Carrère’s Lbebenskrisen bestimmen seine Beurteilung. Das Buch ist geeignet für nicht Gläubige, die ihren Standpunkt bedenken wollen, aber für Gläubige, die sich mit den Zweifeln anders Denkender auseinandersetzen wollen. 524 Seiten für lange Winterabende.

Die Palme und der Stern – Roman von Leonardo Padura, Unionsverlag
Wenn auch bei ‚unserem Freund‘ Padura immer interessiert, war es sehr anstrengend, den vielen Handlungssträngen unangestrengt zu folgen, in denen sich Padura nicht nur auf die Spuren des kubanischen Nationaldichters Jose Maria Heredia sowie der Freimaurer begibt, sondern auch eine Detektiv- und Selbstfindungsgeschichte um seinen Protagonisten, den Exil-Literaten Fernando Terry entwickelt. Ebenso ein Einblick in Kuba’s wechselvolle Geschichte. Aber alles in allem zu lang, zu erzählreich, zu langweilig. Wer Padura’s Kriminalromane um Mario Conde mag, wird sich hier etwas schwer tun.

Im Februar gelesen

Langsames Entschwinden – Vom Leben mit einem Demenzkranken von Inge Jens, Rowohlt Verlag
In vertraulichen Briefen hat sich Inge Jens immer wieder zur Krankheit ihres Mannes geäußert und jetzt einen Teil dieser Briefe veröffentlicht. Wie ging es ihr mit dem Verlust ihres lebenslangen Partners und Kollegen? Ein offenes und schönes Buch, das jeder, der mit demenzkranken Menschen zu tun hat, lesen sollte, aber auch jede nicht betroffene Person erfährt viel. Dieses kleine Buch ist einfach nur zu empfehlen.

Montecristo – Roman von Martin Suter, Diogenes Verlag
Aus dem Klappentext: „Ein aktueller, hochspannender Thriller aus der Welt der Banken, Börsenhändler, Journalisten und Politiker – das abgründige Szenario eines folgenreichen Finanzskandals.“ Für den Leser bleibt offen, ob die Genannten in der Wirklichkeit so weit gehen oder ob die Reaktionen doch nur Fiktion sind. Trotzdem ein informatives und interessantes Buch.

Im Januar gelesen

Die Hundeblume – Erzählungen von Wolfgang Borchert, rororo Verlag
In diesem kleinen ‚Heftchen‘ sind einige der Klassiker, die wir aus dem Schulunterricht kennen, zusammengestellt. Besondere Erinnerungen werden bei mir wach bei „Schischyphusch oder Der Kellner meines Onkels“. Einfach noch immer schön, was uns der viel zu früh verstorbene Wolfgang Borchert auch mit seinen Kurzgeschichten hinterlassen hat.

Das Philosophie-Buch – Große Ideen und ihre Denker, Verlag DK Penguins Random House
Dieses Buch mit über 100 Kernthesen berühmter Denker ist ein spannender Überblick über die Entwicklung der Philosophie. Es regt zum immer wieder neu hineinschauen an. Wer wird bei der Lektüre nicht motiviert, sich Bücher von und über die vorgestellten Denker und ihre Gedanken zu besorgen und sich damit weiter zu vertiefen…?? Ich denke, also bin ich.

2015

Im November gelesen

Gertrudas Versprechen  – Die dramatische Rettung eines jüdischen Jungen von Ram Oren, Dumont Verlag
Die Kinderfrau Gertruda verspricht Michael’s Mutter am Sterbebett, sich um ihn zu kümmern und nach Israel zu bringen. Wilna, 1939, die Deutschen besetzen Litauen. Eine atemberaubende, Kräfte zehrende Geschichte um die Michael’s Rettung beginnt. Sehr lesenswert!

Drachenmann – Ein Inspector-Challis-Roman von Garry Disher, Unionsverlag
Spannend, keine Frage. Alles in allem aber nicht unser favorisierter Krimiautor, weil keine Glanzpunkte gesetzt.

Der namenlose Tag – Ein Fall für Jakob Franck von Friedrich Ani, Suhrkamp Verlag
Der pensionierte Kommissar Franck nimmt sich eines 20 Jahre zurückliegenden Falles an. Ein trauriges, teilweise regelrecht schweres Buch, aber furios zu lesen, wunderbar. Ein sensibler Blick und sprachlicher Umgang mit den Untiefen des Lebens.

Im Oktober gelesen

Die Verjagten – Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts von Jan M. Piskorski, Pantheon Verlag
Ein höchst interessanter und breiter Überblick über die verschiedenen Fluchtbewegungen im 20. Jahrhundert, ohne in die Diskussionen á la Steinbach abzugleiten.

Vielleicht Esther von Katja Petrowskaja, Suhrkamp Verlag
Vielleicht hieß Katja’s Mutter Esther, aber alle nannten sie Babuschka. Genauer konnte sie es nicht herausfinden. Mit Hilfe der Icherzählerin reist Petrowskaja auf den Spuren ihrer sowjetisch-russische-jüdischen Familie nach Polen. Ein geschichtliches, wenn auch bruchstückhaftes Familienporträt in sehr schöner Sprache.

 

Im September gelesen

Der rote Hitlerjunge von Günter Lucks/Harald Stutte, Verlag rororo
Die Lebensgeschichte eines Menschen, der in der Weimarar Republik in ein kommunistisches Elternhaus geboren wurde und der dem Zeitgeist nicht entkommen konnte. Man kann vieles erfahren und auch verstehen. Das Buch ist mit den heutigen Augen des Autors geschrieben. Ich bezweifle, dass er als fünf-, zehnjähriger Junge alles so sehen konnte, wie er es in seiner heutigen Erinnerung schildert.
Grete Minde – Novelle – von Theodor Fontane, dtv Verlag
Wieder einmal ein Buch, das in der Gegend handelt, die wir gerade bereisen. Wir sind im Havelland und an der Elbe. Fontane hat eine Geschichte aus dem 16. Jahrhundert verarbeitet. Ein junges Mädchen wird zur Waise und erlebt Neid, Geiz und fehlende Liebe.

 

Im August gelesen

Ketzer – Roman von Leonardo Padura, Unionsverlag
Padura’s Protagonist, der in Havanna lebende, inzwischen Ex-Bulle, Mario Conde ist einer spannenden Geschichte auf der Spur. Ein unbekanntes Christus-Porträt von Rembrandt taucht auf einer Auktion in London auf. Ein Kaminsky Nachfahre, dessen Familie irgendwie mit diesem Bild zu tun hat beauftragt Conde, der Sache nachzugehen. Der Fall führt Conde durch die Jahrhunderte. Spannender Krimi-/Gesellschaftsroman.

Heinrich Heine – Die Erfindung des europäischen Intellektuellen – Biographie von Rolf Hosfeld, Siedler Verlag
Sicher muss man noch mehr über Heine lesen, aber diese Biographie wartet mit vielen spannenden und interessanten Informationen auf und ist prima zu lesen.

 

Im Juli gelesen

Elefanten sieht man nicht von Susan Kreller, Verlag Carlsen
Als Mascha das Geschwisterpaar Julia und Max kennenlernt, merkt sie schnell, dass hier etwas nicht stimmt. Sie kommt den Misshandlungen der beiden durch deren Eltern auf die Spur und will helfen. Brennendes Thema, aber etwas zu fiktiv, zu schräg verarbeitet. Trotzdem lesenswert.

Alles Licht das wir nicht sehen von Anthony Doerr, C.H.Beck Verlag
Die Geschichte des französischen Mädchens Marie-Laure und des deutschen Jungen Werner während des zweiten Weltkrieges. Die blinde Marie-Laure muss mit ihrem Vater aus dem besetzten Paris fliehen, Werner wird vom deutschen Militär als große Begabung für die Funker entdeckt. Die beiden Geschichten bewegen sich langsam aufeinander zu…spannend, interessant, toll geschrieben. Absolut lesenswert.

Erzähl es niemanden – Die Liebesgeschichte meiner Eltern von Randy Crott – Lillian Crott Berthung, Verlag Dumont
Randi Crott erzählt die wahre Geschichte ihrer Eltern, die sie mühsam erforscht hat. Die Norwegerin Lillian und ein deutscher Soldat lernen sich im besetzten Norwegen kennen. Berührend und sehr interessant, die etwas andere Geschichte.

 

Im Juni gelesen

Marcel Reich-Ranicki – Mein Leben, Verlag DVA
Wunnnnderrrrbar würde Reich-Ranicki sagen….wirklich, eine ausgesprochen lesenswerte Biographie. Herrlich geschrieben, so schön zu lesen, viel zu erfahren und zu entdecken. Ob man ihn mag oder nicht, diese Biographie ist nahezu ein Muss.

Luise Kautt: Blut Freitag – Politthriller – Nicht nur für Schwaben – von Monsieur Rainer, Verlag Books in Demand
Der Untertitel, nicht nur für Schwaben, erschließt sich mir als Stuttgarter, und lange Zeit in Tübingen lebendem Schwaben nicht. Wer soll als Nicht-Schwabe die herrlichen Dialoge lesen können? Ein spannender und nie langweilig werdender Krimi, der sich mit den politischen Verhältnissen beschäftigt und von der sogenannten unabhängigen Justiz (der nicht vorhandenen Unabhängigkeit der Justiz von der Exekutive) handelt.

Darm mit Charme – Alles über ein unterschätztes Organ  von Giulia Enders, Verlag Ullstein
Enders erklärt dem Leser verständlich und unterhaltsam die Bedeutung des Darms für unser Wohlbefinden, unsere Ernährung und was wir für ein gesundes Leben tun können. Es wurden die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft verwendet. Illustriert ist diese sehr lesenswerte Buch von Jill Enders der Zwillingsschwester der Autorin. Nicht nur der, der mit Übergewicht, mit Depressionen und Allergien kämpft erhält Erkenntnisse die ihm zu mehr Wohlfühlen, länger und glücklicher Leben verhelfen können.

Weizen Wampe – Warum Weizen dick und krank macht von Dr. Med. William Davis, Verlag Goldmann
Davis belegt, dass der heute angebaute Weizen (90%) ein gesundheitsschädigender Dickmacher ist, Diabetes und den Alterungsprozess fördert, Herz und Hirn schädigt und schlecht ist für die Haut.
Im Selbstversuch habe ich (Martin) festgestellt, dass mir der Verzicht auf Weizenprodukte gut tut. Aber es bereitet mir viel Stress, weizenlose Produkte zu finden. Vielleicht reicht ja auch der erste Schritt, auf entsprechendes Brot, Gebäck und Kuchen zu verzichten. Auch wer nicht verzichten will, bekommt mit der Lektüre dieses Buches interessante Informationen und sogar einige Rezepte.

 

Im Mai gelesen

Der Winkeladvokat – Roman von Monsieur Rainer, Verlag Books on Demand
Spannend. Wer über Juristen und unser Rechtssystem etwas erfahren will, wird in diesem Buch fündig. Leider erfährt er auch Dinge, die der aufgeklärte Bürger schon immer geahnt bzw. befürchtet hat.

Commissaire Carlucci von Monsieur Rainer, Krimiserie, Verlag Books on Demand
Buch I Commissaire Carlucci
Buch III Die wilde Brigade von Nizza
Buch IV Der Sizilianer
Buch VII Terror in Paris
Schade, dass wir nicht alle Bücher haben. Wer ein Buch gelesen hat, will auch die anderen Geschichten dieses etwas anderen Kommissars lesen.

Russland verstehen – Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens von Gabriele Krone-Schmalz, Verlag C.H. Beck
Interessante Informationen und Thesen. Hier erfährt der Leser vieles über die Zusammenhänge dieses Konfliktes und was in der Berichterstattung in unseren Medien weg gelassen wird. Krone-Schmalz bestätigt einiges, was wir schon vermutet haben.

 

Im Januar gelesen

Die Staufer und ihre Zeit – Leben im Hochmittelalter, Herausgeber Annette Großbongardt / Dietmar Pieper,  Goldmann Verlag
Wer dicke Wälzer scheut, ist mit diesem Buch, von Spiegelredakteuren im Spiegelstil geschrieben, richtig bedient. Das Buch, in viele Kapitel mit interessanten Themen untergliedert, ist gut zu lesen und lässt den Leser vieles aus dieser spannenden Zeit verstehen. Wie die geistlichen und weltlichen Herren waren alle Menschen dieser Zeit noch Kinder des dunklen Mittelalters, aber in der Stauferzeit begann der Aufbruch in eine neue Zeit, die neues Wissen und fundamentale Veränderungen brachte.

Der Trafikant von Robert Seethaler, Verlag Kein & Aber
Die Geschichte des jungen Franz, seiner Liebe zu Anezka und seiner Freundschaft mit Sigmund Freud im Wien der Dreißigerjahre. Franz kommt aus Nußdorf im Salzkammergut in die große Stadt Wien, eine ganz andere Welt. Er, der 17-jährige, und der 80-jährige Professor tauschen sich über das Leben, die Liebe und die Frauen aus. Nicht nur der junge Mensch lernt dabei.
Seethaler beweist mit diesem Buch, dass er wunderschön und mit großer Leichtigkeit schreiben kann. Unbedingt lesen!

Im Schatten der Mohnblüte – Roman, von Jurij Wynnytschuk, Hamon Verlag Wien/Innsbruck
In zwei Handlungssträngen wird über die Freundschaft von vier jungen Männern in den Dreißigerjahren im damals zu Polen gehörenden Lemberg erzählt. Die Jungen verkörpern die Vielfalt der nachösterreichischen Zeit, sie sind polnisch-, ukrainisch-, deutschstämmig und jüdisch. Sowjetische, deutsche und wieder sowjetische Okkupation verändernden alles. Welche Erinnerung bleibt bis in die Neunzigerjahre in der freien Ukraine? Teilweise für mich ein sehr schönes literarisches Buch. Teilweise, weil in Phasen sehr phantastisch. Trotzdem lesen.

Joseph Roth – Die Erzählungen, Kiepenheuer &  Witsch
Sämtliche Erzählungen von Joseph Roth, dem „größten Schriftsteller, den Österreich je hervorgebracht hat.“ (André Heller)
Der in Gallizien, Österreich-Ungarn, geborene Roth erzählt Geschichten vor allem von den Menschen seiner untergegangenen Heimat. Unvergessene Figuren aus einem uns heute so fremd gewordenen Land.

Die Geister von Havanna – Inspector Ramirez ermittelt von Peggy Blair, Wunderlich Verlag
Ein spannender Krimi zur Zeit von Fidel Castro’s ‚Abdankung‘. Alles, was man von Kuba kennt, spielt hinein. Schönheit, Korruption, Prostitution, Rum, die schwierige Lage in Kuba. Keine hohe Literatur, aber vor allem für Kubakenner auch ein schöner Spaziergang durch Havanna.

Zwei Herren am Strand von Michael Köhlmeier, Verlag Hanser
Gab es sie wirklich, diese enge Freundschaft zwischen Winston Churchill und Charlie Chaplin? Das möchte man gerne wissen, wenn man mit den beiden abwechselnd durch deren oft schwere Zeiten streift. Ein interessanter Blick auf diese zwei Jahrhundertgestalten und ihren Umgang mit der sie oft heimsuchenden Depression. Liest sich prima.

2014

Im Dezember gelesen

Adorno – Eine politische Biographie von Lorenz Jäger, Pantheon Verlag
Wunsch vor dem lesen war, mehr über Adorno (‚Es gibt kein richtiges Leben im falschen‘) und sein Denken wie wo warum zu erfahren. Das ist kaum gelungen. Der Biograph schreibt fast komplizierter und verworrener als man es Adorno zutraut. Gelesen, um nicht aufgeben zu müssen. Schrecklich, leider. Wer empfiehlt eine gute und lesbare Adorno Biographie? Danke!

Friedrich II – Der Sizilianer auf dem Kaiserthron – Eine Biographie von Olaf B. Rader, C.H.Beck
Toll! Diese Biographie kann man wunderbar lesen. Klar, es ist ein 500-Seiten-Wälzer, aber Rader versteht es blendend, auch dem nicht profunden Leser Friedrich’s Welt und Wirken näher zu bringen. Da muss man kein Kenner der Staufer und des Mittelalters sein. Sehr zu empfehlen.

Alice wie Daniel sie sah von Sarah Butler, Roman, Droemer Verlag.
Ein mit schönen Bildern erzähltes Buch von einem Vater, der seine erwachsene Tochter sucht. Hoffnung und Verzweiflung wechseln sich ab. Lesenswert.

 

Im November gelesen

Die andere Hälfte der Hoffnung von Mechthild Borrmann, Roman, Droemer Verlag
Die Mutter schreibt unter großen Mühen in ein kleines Heft ihr Leben und die damit verbundenen Geheimnisse. Die Aufzeichnungen sind für ihre Tochter, auf deren Rückkehr aus Deutschland sie sehnsüchtig wartet. Geht ihre Hoffnung in Erfüllung? Die Tochter wurde zusammen mit ihrer Freundin nach Deutschland gelockt mit dem Versprechen, dort studieren zu können. Diese Hoffnung hat sich nach der Ankunft sofort zerschlagen, die beiden Mädchen werden zur Prostitution gezwungen. Ein Milizionär versucht, in dem korrupten System der Post-Sowjetunion in Kiew der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Wo sind die vielen Mädchen und jungen Frauen hin verschwunden, denen man an der Uni Kiew zu einem Studienplatz in Deutschland verholfen hat. Wird er in Deutschland auch das Schicksal der beiden Freundinnen klären können? Spannend und lesenswert, ein Krimi, der die Verbindung von Verbrechen, Korruption (auch ein Verbrechen) und Politik aufdeckt, zudem vor dem Hintergrund der Zeit nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl.

Collini von Ferdinand von Schirach, Piper Verlag
Der pensionierte Gastarbeiter Fabrizio Collini ermordet den Industriellen Hans Meyer und stellt sich umgehend der Polizei. Eine Aussage macht er nicht. Warum schweigt er? Was ist sein Motiv für den Mord an dem allseits geachteten achtzigjährigen Patriarchen? Der Roman befasst sich mit der deutschen Geschichte sei den Vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis heute. Spannend und bis fast zur letzten Seite ein Rätsel.

Verbrechen von Ferdinand von Schirach, Piper Verlag
Ferdinand von Schirach erzählt in kurzen Geschichten echte Kriminalfälle. In den meisten Fällen war er wohl als Verteidiger oder Anwalt von Nebenklägern beteiligt. Gute Geschichten zum Entspannen, besonders vor dem schlafen gehen, aber nur, wenn der Leser sich diese nicht zu sehr zu Herzen nimmt.

Das rote Fahrrad von Ágnes Zsolt, Nischen Verlag
Das Buch ist zum ersten Mal in den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts erschienen. Die Mutter, eine Überlebendes des Holocaust an den ungarischen Juden, hat das Tagebuch ihrer in Auschwitz ermordeten Tochter bekommen. Sie veröffentlicht das Tagebuch der „ungarischen Anne Frank“, das deren Willen zum Überleben eindrucksvoll dokumentiert. Eva wurde nur 13 Jahre alt. Ein Erinnerungsbuch, besonders für junge Menschen.

 

Im Oktober gelesen

Kinder des Jacarandabaums von Sahar Delijani, Droemer Verlag
Erst als Erwachsene erkennen die Kinder des Jacarandabaums, der in ihrem Hof stand, ihre Geschichte als Kinder der Revolution und die ihrer Eltern. Wie Neda, die im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran auf die Welt kommt. Ein schöner, wenn auch trauriger Roman über diese Zeit im Iran.

Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch von Marina Lewycka, Roman, dtv
Der vierundachtzigjährige Vater der Erzählerin verliebt sich in eine über vierzig Jahre jüngere Blondine aus seiner ukrainischen Heimat. Der Leser erfährt nebenbei vieles über die Leiden des ukrainischen Volkes und der Figuren dieses Romans. Hat die junge Frau ihre Heimat verlassen, um ‚reiche‘ Männer auszunehmen und will sie auch noch den Vater ausnehmen oder liebt auch sie ihn? Können die Töchter eine Heirat verhindern und ihren Vater vor sich selbst schützen? Gut geschriebenes und amüsantes Buch.

Gebrauchsanweisung für Wien von Monika Czernin, Piper Verlag
Wie auch andere ‚Gebrauchsanweisung für…‘ beschreibt die Autorin ihr Wien mit viel Sympathie, lässt aber auch Kritisches zu. Der Leser erfährt so manch Interessantes über die Stadt, einzelne Stadtteile und ihre Menschen. Er bekommt vieles erzählt, das in keinem Reiseführer zu lesen ist. Für jeden Besucher dieser wunderschönen Stadt zu empfehlen. Das kleine Büchlein wäre noch schöner, wenn Czernin darauf verzichtet hätte, so viele Namen von Politikern und und und…also Personen zu erwähnen, die auch  für den gebildeten Besucher völlig fremd und ohne irgendeine Relevanz sind.

Das Flüstern der Stadt von Rosa Ribas und Sabine Hofmann, Verlag Kindler
1952, Barcelona, Stadt der Toten. Das Franco-Regime hat sich nach dem Ende des Bürgerkrieges etabliert, und die meisten Menschen, insbesondere das Großbürgertum, haben sich zu seinem Vorteil arrangiert. Korruption, Moralvorstellungen aus dem Mittelalter und Brutalität beherrschen Barcelona. Nach einem Mord soll eine junge Journalistin berichten. Das System schreibt ihr allerdings vor, dass sie nur das schreibt, was politisch erwünscht ist. Schafft es die junge Frau, der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen? Bei so vielen möglichen Tätern bleibt das Buch bis zur letzten Seite spannend. Lesen!

Über das Meer. Mit Syrern auf der Flucht nach Europa. Eine Reportage von Wolfgang Bauer, edition suhrkamp
Wolfgang Bauer, 1970 in Stuttgart geboren, arbeitet für die Zeit. In dieser Reportage schildert er seine ‚Flucht‘ zusammen mit dem Fotografen Stanislav Krupar und befreundeten Syrern von Kairo über das Mittelmeer nach Europa. Die Flucht scheitert und endet im Gefängnis. Diese spannende und wahre Geschichte ist absolut lesenswert. Sie ist auch und vor allem ein Aufruf an die europäische Politik, ihre Asylpolitik zu ändern und damit zu verhindern, dass jeden Tag Menschen von gewissenlosen Banden ausgebeutet werden und umkommen. „Das Mittelmeer ist die Geburtsstätte Europas und mittlerweile Schauplatz seines größten Versagens.“


Im September gelesen

Einer gegen alle von Oskar Maria Graf, Roman, edition monacensia, Allitera Verlag
„Die Schrecken und Wunden des Ersten Weltkriegs sitzen tief im Frontsoldaten Georg Löffler, der sich mit dem Frieden nicht abfinden kann, Er sieht sich als Opfer und beginnt einen verzweifelten Kampf als Krimineller und Mörder gegen die neue Ordnung, gegen die Gesellschaft, in der er als Einzelner keinen Platz mehr zu haben scheint. Am Ende bleibt ihm nur ein Ausweg.“ An diesem Buch hat mich besonders fasziniert, dass ich beim Lesen an manchen Stellen auch Sympathie für diesen brutalen Menschen empfinden konnte. Lesenswert, aber nichts für sensible Menschen.

Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse von Thomas Meyer, Roman, Salis Verlag Zürich
Der junge orthodoxe Jude Mordechai Wolkenbruch ist noch immer unverheiratet. Seine Mutter sucht ein ums andere Mal Frauen zwecks Heirat für ihn aus. Keine der Frauen, alle aus dem gleichen orthodoxen Umfeld wie seine Familie, gefällt ihm. Erst bei einem Besuch bei seiner Tante und seinem Onkel in Israel entdeckt er eine andere Welt. Wieder zu Hause in Zürich entwickelt er sich zu einem anderen, offeneren Menschen, und zum Entsetzen der Familie verliebt er sich auch noch in eine Schickse, eine Nichtjüdin. Ein lehrreiches, lustiges Buch, bei dem nicht nur etwas über die Entwicklung eines jungen Menschen zu lernen ist. Auch das jüdische Denken und Leben wird dem Leser vermittelt. Lesen, aber Achtung, ohne den kleinen Anhang zu jiddischen Begriffen geht es nicht immer. Viel Spaß bei der Lektüre.

Raum von Emma Donoghue, Roman, Piper Verlag
Durch die ersten 100 Seiten von ‚Raum‘ muss man sich womöglich etwas durchkämpfen. Der fünfjährige Jack wächst zusammen mit seiner Mutter in ‚Raum‘ auf. Jack kennt nur die Welt in ‚Raum‘. Er und seine Mutter werden dort gefangen gehaln. Jack ist hier in Raum geboren. Was im Fernsehen kommt, ist, so erklärt ihm seine Mutter nicht echt, nur die Welt in Raum ist echt. Bis zu dem Tag, als Jack’s Mutter beschließt, dass sich das ändern muss. In der Kindersprache von Jack geschrieben, ist Emma Donoghue ein beeindruckendes Werk gelungen, das einen Blick auf vieles vielleicht ändern lässt.

Elizabeth wird vermisst von Emma Healey, Roman, Lübbe Verlag
Maud, Elizabeth‘ Freundin, ist dement. Deshalb glaubt ihr niemand, wenn sie ständig sagt, dass ihrer Freundin Elizabeth etwas zugestoßen sein muss. In ihrer zunehmenden Demenz bewegt sich Maud in einem ständigen Wechsel zwischen dem Heute und dem Gestern. Ein ganz anderer Blick, weil aus Maud’s Sicht erzählt, auf das Thema Alter und Alzheimer.

Totenfrau von Bernhard Aichner, Thriller, btb Verlag
Eine Frau will wissen, wer die Mörder ihres Mannes sind. Sie verfolgt diese bis zum traurigen Ende. Spannend. Nur anfangen zu lesen, wenn der Partner unterwegs ist oder Verständnis dafür aufbringt, dass man das Buch erst aus der Hand legt, wenn man fertig gelesen hat.

Im August gelesen

Katzenberge von Sabrina Janesch, Aufbau Taschenbuchverlag
Ein einfach schöner und schön geschriebener Roman. Am Beispiel einer Familie wird beschrieben, wie schwer es war, die Heimat Galizien nach dem 2. Weltkrieg verlassen zu müssen und in Schlesien Fuß zu fassen. Jahrzehnte mit der Angst lebend, Haus und Hof auch wieder aufgeben zu müssen. Wer von uns kann sich vorstellen, in fremden Betten schlafen und aus fremden Schüsseln essen zu müssen. Die Enkelin sucht die Spuren ihres geliebten, eben verstorbenen Großvaters bis in dessen galizisches Heimatdorf. Dabei stößt sie, die einen deutschen Vater hat, auch auf ihre Wurzeln. Wenn man ‚Polens Wilder Westen‘ gelesen hat, bekommt man nun mit diesem Roman das persönliche Gesicht dazu.

In der Wahrheit leben – Aus der Geschichte von Widerstand und Opposition in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts von Ludwig Mehlhorn, Stiftung Kreisau
Ein toller und sehr informativer, fast 300 Seiten langer Ausstellungskatalog insbesondere zum Widerstand und den Gedanken des Kreisauer Kreises.

Die Zahl der Opfer von Auschwitz von Franciszek Piper, Verlag Staatliches Museum Oświęcim
Ein wissenschaftliches Buch zur Frage, wie viele Juden und andere Menschen in Auschwitz ermordet wurden. Die Zahlen aus den 40-er und 50-er bis 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts werden heute angezweifelt und niedriger angenommen. Unabhängig davon, wie viele es letztlich waren: die Schande bleibt.

Reiner Wein – Der sechste Fall für Bruno Chef de Police von Martin Walker, Diogenes Verlag
Endlich wieder ein neuer Fall. Wie auch die ersten fünf Fälle spannend mit neuen Wein- und Essensvorschlägen (schaut noch einmal zu Bruno in den August 2013).

Die Violine von Auschwitz von Àngels Anglada, btb-Verlag
Jorge Semprun sagt zu diesem Buch, dass es von all den Texten über die Lager der Nazis, die nicht von Überlebenden stammen, die Erzählung ist, die die meiste Wahrheit verströme. Der jüdische Geigenbauer Daniel muss für den Lagerkommandanten eine Geige bauen, die der einer Stradivari entspricht. Wenn die Geige den Vorstellungen entspricht, wird Daniel vor den verbrecherischen Versuchen des Lagerarztes verschont. Das erfährt er aber erst sehr spät. Ein sehr lesenswertes und berührendes Buch.

Im Juli gelesen

Polens Wilder Westen von Beata Halicka, Ferdinand Schöningh Verlag
Ein zwar wissenschaftlich geschriebenenes, aber hochinteressantes Buch, das einen tiefen Einblick in die Jahre nach dem 2. Weltkrieg gewährt, Da versteht man erst mal. was da in kurzer Zeit an Umsiedlung bzw. Vertreibung (nicht nur der Deutschen) vor sich ging. Und wie schwer es war, Heimaten und Kulturen zu verlasen und in fremde Häuser einzuziehen.

Emmelie – der erste Fall von Sylke Hörhold, Lusatia Verlag Bautzen
Hexenbrennen – der zweite Fall
Zwei Krimis um eine junge Rechtsanwältin, die zurück in die Heimat Niederlausitz kommt und dort in skurrile Kriminalfälle verwickelt wird. Nichts Besonderes, aber kurzweilig, und es erfreut uns Besucher dieser Gegend mit manchem Wiederzuerkennenden.

Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung von Valentina D’Urbano, Roman, dtv premium
Verwirrend, traurig, brutal, und doch kann man das Buch nicht weglegen. Zwei Kinder wachsen wie Zwillinge auf und sind auch als Jugendliche viel zu eng aneinander gebunden. Sie leben in einem verlorenen Stadtteil, so sind auch sie verloren und verlieren einander beim Erwachsenwerden. Kein Buch für sensible Leser…

Im April gelesen

Die Odyssee – Ein Abenteuer von Tobias Lehmkuhl, Verlag rowohlt
Die Märkische Allgemeine schreibt: „Ein geschichtsbewusster, dabei aber doch ungeheuer lebendiger und frischer Reisebericht“. Dem ist fast nichts hinzuzufügen, außer: das Buch macht den Leser neugierig auf die einzelnen Reisestationen, die der Autor auf den Spuren von Odysseus besucht hat. Wir werden einige Stationen besuchen und dann davon berichten.

Serenade für Nadja von Zülfü Livanelli, Roman, Klett-Cotta Verlag
Ein alter deutschstämmiger Professor aus den USA kommt nach Istanbul und soll von Maya, einer Mitarbeiterin an der dortigen Universität, während seines Aufenthalts betreut werden. Was für ein Geheimnis umgibt den alten Mann, dass sich sogar die türkischen Geheimdienste und die der Engländer und Russen für ihn interessieren. Ein spannendes, mit Wissen über die Zeit des Dritten Reiches und der Emigranten in der Türkei, verbundenes Buch. Die unterschiedlichen Ethnien in der Türkei sind mit den Schicksalen der beiden Akteure eng verbunden. Ein schönes und doch trauriges Buch.

Zwei alte Frauen – Eine Legende von Verrat und Tapferkeit von Velma Wallis, Piper Verlag
Eine wahre Geschichte über zwei alte Indianderfrauen, die von ihrem Stamm im Überlebenskampf zurückgelassen werden. Nie aufgeben, heißt das Motto. Ein schönes Buch, allerdings etwas amerikanisch rührselig geschrieben.

Im März gelesen

Die hellen Tage von Zsusza Bánk, Fischer TaschenbuchBibliothek
Dieses Mal sollen die sehr passenden Kritiken im Buchumschlag reichen:
„Ein Fest des Widerstands gegen die Zumutungen des Lebens.“, Britta Heidemanns WAZ
„Und wie sie das erzählt! Farbe, Einzelheit, Bild und das hinreißend komponierte Ineinanderfließen dieser Elemente.“ Andreas Isenschmid, Die Zeit

Piraten und Korsaren im Mittelmeer – Seekrieg, Handel und Sklaverei vom 16. bis 19. Jahrhundert von Salvatore Bruno, Klett-Cotta Verlag
Der Autor, emeritierter Professor für neuere Geschichte des Mittelmeerraums, hat den Anspruch mit diesem Buch eine auch für interessierte Laien lesbare Abhandlung vorgelegt zu haben. Diesem Anspruch wird er gerecht. Nicht nur die Moslems waren aktive Piraten und Kosaren, auch die Christen waren an diesem Unwesen beteiligt. Christliche Orden, Malteser- und Stephansritter, selbst der Papst, waren an diesem einträglichen Geschäft beteiligt. Bis in die zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts wurden von allen Beteiligten Sklaven gemacht und bis nach Nordeuropa und Afrika verkauft. Wieder einmal muss der Leser seine bisherigen Erkenntnisse über Bord werfen. Piraten und Kosaren waren nicht nur Engländer gegen Spanien und Moslems gegen Christen.

Tabu von Ferdinand von Schirach, Piper Verlag
Ein Buch über die Abgründe des menschlichen Lebens. Ist das, was wir sehen oder meinen zu sehen, die Wahrheit oder ist doch alles anders. Manipulieren wir uns selbst, oder werden wir manipuliert. Ein sehr schön geschriebenes und sehr menschliches Buch.

Im Januar gelesen

Der Hase mit den Bernsteinaugen von Edmund de Waal, Verlag Zsolnay
Man muss sich erst etwas einlesen in die Geschichte der jüdischen Bankiersfamilie Ephrussi, die vordergründig mit der Sammlung und Geschichte japanischer Kunstwerke – Netsuke – beginnt. Dann entspannt sich jedoch die interessante und eindrucksvolle Geschichte der Familie vor dem Hintergrund er geschichtlichen Ereignisse. Lesenswert.

Die letzte Flucht – Denglers sechster Fall von Wolfgang Schorlau, Verlag KiWi
Wie alle von uns bisher gelesenen Schorlaus ist auch dieser spannende Krimi exzellent recherchiert. Es geht um die Machenschaften in der Pharmaindustrie. Nachwort unbedingt lesen.

Brennende Kälte – Denglers vierter Fall von Wolfgang Schorlau, Verlag KiWi
Wieder ein Fall, der in Stuttgart und Umgebung handelt. Spannend und aufregend. Man glaubt die Hintergrundgeschichte kaum und doch hat sie, wie bei Schorlau immer, einen realen Hintergrund. Wer sich die Mühe macht und auch in diesem Fall „Das Nachwort Finden und Erfinden“ liest, erkennt, wie ausführlich und intensiv der Autor recherchiert. Krimifreunde und politisch Interessierte: lesen!

 

2013

Im Dezember gelesen

Sand von Wolfgang Herndorf, rowohlt Verlag

Schön geschriebener Agenten-Krimi. Manchmal etwas verwirrend, bis zum Ende wird nicht klar, welches Geheimnis verraten wird. Wer sind die Bösen und wer die Guten? Das wechselt in der Betrachtung des Lesers immer wieder. Wer sich an der Sprache erfreuen kann, sollte dieses Buch trotz aller Wirrnisse lesen.

Die Flucht von Jesús Carrasco, Kleet-Cotta Verlag

Ein sprachgewaltiges und spannendes Buch um die Flucht eines Jungen. Das ausgetrocknete Land und die Verfolgung durch seinen Peiniger bringen den Jungen dem Tod sehr nahe. Nur seine Willenskraft und die selbstlose Hilfe eines alten Hirten bringen ihn seinem Ziel, der Rettung, näher. Ein schönes und absolut lesenswertes Buch.

Herzblut – Kluftingers neunter Fall von Klüpfer/Kobr

Die ersten Fälle waren noch lustig und vielleicht sogar spannend. Warum ich mich durch die nächsten Fälle gequält habe, verstehe ich selbst nicht. Flach und nicht mehr lustig. Es lebe die Wiederholung und der krampfhafte Drang, witzig sein zu müssen. Oft ist es nur noch dämlich und albern.

Im November gelesen

Die Marseille Connection von Massimo Carlotto, Tropen Verlag

Der Schriftsteller dieses Buches, Carlotto, wurde in den 1970er-Jahren zu Unrecht wegen Mordes verurteilt. Nach fünfjähriger Flucht und einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren wurde er 1993 begnadigt. Vielleicht kann er deshalb so schillernde Figuren wie die Kommisarin dieses politischen Krimis „entwickeln“? Die Korruption zwischen Politik, Geschäftsleuten und dem organisierten Verbrechen wird brutal aufgezeigt, ist kaum zu glauben und dennoch zweifelt der Leser nicht daran, dass es so in der Wirklichkeit sein kann oder sogar ist. Trotz ihres nicht am Gesetz orientierten Vorgehens sind die Sympathien des Lesers auf der Seite der Kommisarin. Wann bekomme ich den nächsten Krimi/Roman von Carlotto in die Hände?

Leichendieb von Patricia Melo, Tropen Verlag

Der in der Reihe Thriller von Tropen erschienene Roman um einen ausgestiegenen Manager, der durch einen Kokainfund im Drogensumpf unterzugehen droht, ist sicher gute südamerikanische Literatur. Ich kann mit dieser Art Literatur wenig anfangen, sie braucht mir zu lange, um zum „Ziel“ zu kommen. Bei jedem Satz scheint es nicht um die Geschichte zu gehen, sondern um die Beschreibung einer möglichst blumigen Sprache.

Die Pfeiler des Glaubens von Ildefonso Falcones, Roman, Bertelsmann

Ein Historienroman um das letzte Aufbegehren und die Vertreibung der Mauren aus Spanien. Falcones hat ein Buch geschrieben, das viele tatsächliche historische  Begebenheiten aus der Zeit in Al-Andalús von 1568 bis zum Ende des Maurischen Spanien 1609 widergibt. Es macht den Leser sprachlos, wie viel Gewalt von maurischer Seite und insbesondere den christlichen Siegern ausgeübt wurde. Trotzdem geht es um Liebe und Hass, Glaube und verlorene Träume und sinnstiftende Hoffnung. Wer in Andalusien unterwegs ist, sollte dieses Buch trotz seiner über 900 Seiten gelesen haben. Das gewonnene Wissen begleitet den Reisenden von Stadt zu Stadt und von Landschaft zu Landschaft. Wie viel Herrliches gibt es trotz der Zerstörungswut der Christen noch zu bestaunen.

Im Oktober gelesen

Erlösung – Dritter Fall für Carl Mørk Sonderdezernat Q von Jussi Adler-Olsen, dtv

Gegen Langeweile, typischer skandinavischer Krimi. Brutal und unrealistisch. Drei Krimis von Adler Olsen sind jetzt aber auch genug.

Der Mann, der kein Mörder war – Ein Fall für Sebastian Bergmann von Hjorth & Rosenfeld, rororo

Ausgetüftelter Krimi, der den Faden beibehält. Ein unausstehlicher Kriminalpsychologe, der nach längerer Schaffenspause mehr durch Zufall wieder aktiv wird. Alle Figuren werden klar gezeichnet. Der dicke Wälzer verliert nie seine Spannung.

Im September gelesen

Berthold Beitz – Die Biographie von Joachim Käppler mit einem Vorwort von Helmut Schmidt, Berlin Verlag
Kurz vor seinem Tod am 30.07.2013 mit fast 100 Jahren habe ich dieses Buch über eine bedeutende Persönlichkeit Deutschlands im 20. Jahrhundert gekauft. Käppler schreibt mit Symphatie, ohne die Distanz und Objektivität zu verlassen, ein bemerkenswertes Buch. Berthold Beitz, welch‘ ein Leben, im Dritten Reich wichtiger Manager im Osten in der Kriegswirtschaft, dabei nie die Menschlichkeit verlassen. Rettet vielen Juden das Leben, indem er sie in seinem Unternehmen einsetzt und damit dem Zugriff der braunen Hascher entzieht. Beitz hat bewiesen, dass man sich den Machthabern entgegen stellen kann. 1973 wurde er dafür als „Gerechter unter den Völkern“ in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem geehrt. Mit Berthold Beitz verbinden die meisten Zeitgenossen seine Tätigkeit als Generalbevollmächtigter von Krupp und vielleicht noch als langjähriges IOC Mitglied und vier Jahre als dessen Vizepräsident. Wer weiß noch um seine Verdienste als „Türöffner“ für die deutsche Ostpolitik. So spannend wie das Leben von B. Beitz ist auch dieses Buch. Unbedingt lesenswert für de,n der über Deutschland im 20igsten Jahrhundert mehr wissen will und für den, der über die Menschlichkeit eines Wirtschaftsführers erfahren will.

Im August gelesen

Bruno – Chef de Police von Martin Walker, Diogenes Verlag

Der erste Fall für Bruno Chef de police. Aus Armeediensten ausgeschieden, kommt Bruno vor Jahren nach Saint Denis in’s schöne Périgord. Plötzlich endet die friedliche Ruhe im Dorf, als der schon lange in der Gemeinde lebende Algerier Hamid, Veteran und Kriegsheld, grausam ermordet wird. Die Spur führt zurück in die Zeit des Algerienkriegs.
Martin Walker verbindet in seinem Krimi die Schönheit des Périgord, in dem er einen Teil des Jahres verbringt, mit kulinarischen Ausflügen und französischer Geschichte. Sehr lesenswert, zum Bruno-Fan geworden, greifen wir gleich zum zweiten Fall:Grand Cru – Der zweite Fall für Bruno Chef de policeSchwarze Diamanten – Der dritte Fall für Bruno Chef de police

Asiaten kämpfen um die Vorherrschaft in der Gastronomie und bei deren Zulieferern in Frankreich. Aber natürlich wollen wir vor allem bei Bruno mitessen und das Périgord genießen.

Delikatessen – Der vierte Fall für Bruno Chef de police

Dieses mal führt die Spur zum ETA Terrorismus. Keine hohe Literatur, aber wieder schön, Bruno und seine Freunde im Périgord zu begleiten.

Und Nietzsche weinte von Irvin D. Yalom, btb

Unter einem Vorwand wird Nietzsche zu einem Arzt gelockt, der ihm mittels einer Gesprächstherapie aus der Verzweiflung helfen soll. Dieses Gespräch hat nie wirklich stattgefunden, die Geschichte hätte aber durchaus so sein können. Geschickt wird aus den damaligen Tatsachen und Umständen diese spannende, sich fast dramatisch entwickelnde Therapie konstruiert. Dem Leser wird auf abwechslungsreiche Art das, wenn auch oft umstrittene, aber doch interessante Denken Nietzsches ein Stück näher gebracht. Gut lesbar ohne irgendwelche Nietzsche-Lektüre vorab.

Letzte Ernte – Ein Kulinarischer Krimi – Xavier Kieffers dritter Fall – von Tom Hillenbrand, KiWi

Wie schon im zweiten Fall etwas konstruiert und trotzdem spannend. Leider kann man aus Büchern nicht essen und trinken. Kieffer kocht wieder köstlich und kredenzt seinem Freund leckere Weine.

Ferne und Nähe – Aus meinem Journalistenleben von Klaus Bednarz, rororo

Per Zufall zum Journalismus gekommen, wird Klaus Bednarz zu einem wichtigen Begleiter der Politik zwischen den Nachbarn im Osten und Deutschland. Immer frei, offen und kritisch. Seine Berichte aus Polen, den Baltischen Staaten und Russland und die Reisebilder waren für viele Deutsche in den 80er und 90er Jahren ganz besondere Ereignisse im deutschen Fernsehen. Bis auf die Auseinandersetzung mit dem Thema „Politik und Journalismus“, das den weniger politisch Interessierten nicht berührt, ist dieses Buch für jeden lesenswert und eine Bereicherung.

Spanien von Walter Haubrich aus der Reihe Die Deutschen und ihre Nachbarn

Herausgegeben von Helmut Schmidt und Richard von Weizäcker, C.H.Beck
Die Herausgeber verfolgen mit der Reihe das Ziel, bei uns Deutschen mehr Wissen über unsere Nachbarn zu vermitteln. Dem Journalisten Werner Haubrich, der mehr als 30 Jahre aus Spanien für die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet hat, gelingt das auf hervorragende Weise. Das kleine Bändchen (170 Seiten einschließlich Kartenteil, Zeittafel, Anmerkungen und Literaturhinweise) behandelt die wichtigsten Ereignisse der Geschichte, den Übergang zur Demokratie und die Entwicklung Spaniens bis zur Herausgabe des Buches im Jahr 2009 in verständlicher und gut lesbarer Sprache. Ich verstehe nach der Lektüre mehr über Spanien und seine Menschen.Im Juli gelesenHerbert Wehner von Christoph Meyer, dtv

Christoph Meyer zeichnet das Leben von Herbert Wehner mit Sympathie nach, ohne dessen Ecken und Kanten auszulassen. Die Widersprüche dieses großen Politikers und seine hervorragenden Leistungen zur Erneuerung der deutschen Sozialdemokratie und der deutsch/deutschen Politik werden ausführlich behandelt und gewürdigt. Wer weiß heute noch, welche Bemühungen und Anstrengungen Wehner für die Menschen hüben wie drüben im Interesse der Menschlichkeit aufgebracht hat. Mehr als zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung, dem großen Lebensziel, für das er Jahrzehnte gearbeitet hat, sollten wir uns an ihn, den häufig vom politischen Gegner, von rechts und links, angefeindeten und verleumdeten, großen sozialdemokratischen Politiker und Staatsmann erinnern. Wer die deutsche Geschichte von Weimar über Bonn, Ostberlin bis Berlin besser verstehen will, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Für mich war keine der über sechshundert Seiten langweilig. Übrigens: der Autor ist Jahrgang 1966 und hat Wehner nicht als aktiven Politiker erlebt.

Fettnäpfchenführer Frankreich C’est la vie aber wie?

Ein junges Mädchen kommt zu einer Pariser Familie im Schüleraustausch, später besucht sie noch ihre Familie in Paris. Ob das, was man beim Lesen erfährt, für die Franzosen im allgemeinen gilt oder nur das französische Bürgertum, insbesondere in Paris, betrifft, darf bezweifelt werden. Wir haben manche der dort beschriebenen französischen Eigenheiten/Unterschiede zu uns Deutschen nicht beobachten können. Vielleicht waren die von uns beobachteten Franzosen keine echten Franzosen und hatten fränkisch-germanische Vorfahren, die scheinbar gerne den Teller mit Brot auswischen. Das Buch ist kurzweilig und lustig, aber ACHTUNG: nicht allzu ernst nehmen.

Bretonische Verhältnisse – Ein Fall (der erste) für Kommissar Dupin von Jena-Luc Bannalec, KiWi – eine weitere Rezension

Dieser Krimi erspart dem Leser, der die Bretagne besuchen will den Kauf eines Reiseführers für die südliche Bretagne. Man erfährt viel über die Landschaft, das Wetter und Concarnac und seine Umgebung. Die Mentalität der Bretonen und ihr Verhältnis zu den ungeliebten Parisern begleiten den von Paris in die Bretagne strafversetzten Kommissar. Der erste Fall von Kommissar Dupin war ein großer Erfolg. Bannalec und der Verlag hätten es dabei belassen sollen.

Bretonische Brandung – Der zweite Fall für Kommissar Dupin

Teufelsfrucht – Ein kulinarischer Krimi – Xavier Kiffers erste Fall von Tom Hillenbrand

Xavier Kieffer ist Koch und Besitzer des „Deux Eglises“, eines kleinen Restaurants in einem historischen Gebäude, das zur Verteidigung der Stadt Luxemburg im 18./19. Jahrhundert gehört hat (Wachturm und Pulverkeller). Nach der Vorspeise stirbt ein Restauranttester des berühmten Gastroführer Guide Gabin, er wurde vergiftet. Lag es am Essen des Deux Eglises? Xavier Kieffer geht dieser Frage nach und wird in ein Geflecht von bösen Strukturen verwickelt. Er lernt die junge Herausgeberin des Guide Gabin kennen, die ihn mit ihren Beziehungen zur französischen Politik unterstützt. Neben dem Fall lernt der Leser einiges über Luxemburg kennen und wie soll es anders sein bei einem „Kriminalisten“, der leidenschaftlicher Koch und Genießer ist , über gutes Essen. Das Lesen macht absolut Spaß. Gleich zum nächsten Fall greifen:

Rotes Gold – Ein kulinarischer Krimi

Etwas konstruiert, macht trotzdem Lust auf den dritten Fall: im August…

Lea von Pascal Mercier, btb
Es ist gar nicht nur die spannende und zugleich tragische Geschichte von Lea, die eines Tages der Geige verfällt, und ihrem Vater, den ihr Verhalten immer mehr in die Verzweiflung treibt. Besonders gefallen hat der Schreibstil Mercier’s: Der Ich-Erzähler, der Lea’s Vater zufällig in der Provence kennenlernt, zitiert den Vater. Regelmäßig ertappt man sich beim Lesen, wie man den Vater als eigentlichen Erzähler sieht, weil man so in die Geschichte hineinschlüpft. Sehr schönes, wunderbar zu lesendes Buch.

Im Juni gelesen

Léon und Louise von Alex Campus, Carl Hanser Verlag

Der Enkel erzählt die Geschichte seines Großvaters und seiner lebenslangen Liebe. Getrennt durch einen Fliegerangriff zu Ende des ersten Weltkriegs finden sie über Jahrzehnte immer wieder zusammen. Die Familie von Leon sieht Louise einmal, bei dessen Beerdigung. Eine wunderschöne Geschichte, absolut lesenswert.

„Das musst Du erzählen“ – Erinnerungen an Willy Brandt von Egon Bahr

Wer politisch interessiert ist und mehr über die Annäherung der beiden deutschen Staaten bis zur Wiedervereinigung wissen möchte, dem ist dieses kleine Buch empfohlen. Willy hat seinen Vertrauten und Freund gebeten, diese Episode der Geschichte seinen Erinnerungen hinzuzufügen.

Amerika! von Geert Mak, Siedler Verlag

Geert Mak versucht auf den Spuren von John Steinbeck, dem amerikanischen Literatur Nobelpreisträger, eine Bestandsaufnahme der USA 60 Jahre nach „Der Reise mit Charley“.
560 Seiten, die auf verständliche Weise und kurzweilig urbane- und Landschaftsbilder mit der amerikanischen Seele, wie sie 1960 und 2010 sich darstellen, aufzeigt. Sie geben Antwort auf unsere Fragen, warum Amerikaner so anders ticken als wir Europäer.
Der Feind im Schatten von Henning Mankell, Paul Zsolnay Verlag

Der ultimativ letzte Roman in der Kurt Wallander Reihe. Wer Wallander mag, muss auch diesen manchmal etwas zähen Krimi lesen, er wird „alte Bekannte“ noch einmal treffen.

Schlossblick von Marcus Ibsweiler, Gemeiner Verlag

Regionaler Krimi, bereits der fünfte Fall. Brutal aber schlicht. Das Buch brauche ich nicht.

August Bebel – Aus meinem Leben, Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Dieses Buch ist jedem Sozialdemokraten empfohlen zu lesen. Gerade in diesem Jahr der Feiern zum 150-jährigen Bestehen der SPD. Trotz aller Feierlaune sollten sich Sozialdemokraten des schmerzlichen Beginns, auch untereinander, erinnern. Wie haben sich die Führer der Arbeiter untereinander bekämpft? Ist es Bismarck zu verdanken, dass sich die unterschiedlichen Flügel und Parteien geeinigt haben? Was ist davon zu halten, dass sich der Parteigründer, Ferdinand Lasalle auf Bismarck eingelassen hat? Wie viele Führer der Partei und mit ihr „verbündete Führer“, sind von links nach rechts gewandert? Einige wurden Mitglied in Kabinetten von Wien, Berlin und anderen reaktionären Regierungen. Viele sind im Gegensatz dazu großen Verfolgungen und Haftstrafen ausgesetzt gewesen und dabei ihren Überzeugungen treu geblieben. Manches aus dem 19. Jahrhundert kommt einem aus den Erfahrungen der letzen Jahrzehnte bis heute noch bekannt vor.
Viele Forderungen der damaligen Zeit wurden in der Zwischenzeit erfüllt, aber es bleiben auch noch viele offen. Beispiele, die August Bebel schon in den 80iger Jahren des 19. Jahrhunderts in sein und das Programm der SPD geschrieben hat, sind die Forderungen zur Stellung der Frauen in der Gesellschaft, Gleichberechtigung und gleicher Lohn sind dabei zu nennen.
Allmen und der rosa Diamant von Martin Suter, Diogenes
Nach den über 800 Seiten von Bebel eine willkommene Entspannung. Leicht zu lesen, nicht der spannendste Krimi, aber doch unterhaltend. Dabei erfährt man auch noch etwas über teures Essen und teuren Wein. Zum Schluss erfährt man auch noch, warum in die Avocadocreme ein Kern bis zum Verzehr gelegt werden soll. Ein richtiges Buch, jetzt im Sommer, am Strand an einem Nachmittag zu lesen.Titos Brille von Adriana Altaras, Fischer Verlag
Adriana Altaras beschreibt mit Humor und Witz die, wie sie sie nennt, strapaziöse Geschichte ihrer Familie im 20. Jahrhundert. Von der Verfolgung der jüdischen Eltern durch die die Deutschen unterstützenden kroatischen Faschisten, die Zeit unter Tito bis heute in ihre Zeit. Mit deutlichen Worten und jüdischem Witz setzt sie sich dabei mit der Bedeutung des Judentums, dem Sinn von Bräuchen etc. auseinander. Ein sehr lesenswertes Buch, das einen bei allem Ernst herzlich lachen lässt.Bretonische Verhältnisse von Jean-Luc Bannalec, KiWi
Ein spannender Doppelmord, in dessen Umgebung durch den eigensinnigen und koffeinsüchtigen Kommissar Dupin, viel über die Bretagne, ihre Eigen- und Besonderheiten erzählt wird. Man bekommt zu sehr Lust, gleich an die Orte des Geschehens zu reisen, die Lokale zu suchen, an’s Flussdelta zu wandern. Das vor allem, wenn man, wie wir, das Buch in der Bretagne liest. Und: wir reisen noch dorthin, wo alles passierte 🙂Bretonische Brandung
Kommissar Dupin’s zweiter FallDas Glück in glücksfernen Zeiten von Wilhelm Genazino, Hanser Verlag
Dieser in Ich-Form geschriebene Roman ist sicher nicht jedermann’s Geschmack. Man mag sich beim Lesen langweilen, wenn man mit dem Protagonist durch seine Tage wandert. Trotzdem ein angenehm zu lesendes Buch mit einem schlichten, doch schönen und vielsagenden Ende.Erbarmen von Jussi Adler-Olsen, dtv
Der vom Chef wegen seiner Eigenheiten aussortierte Kommissar Mørck wird zum Leiter des 2-Mann starken Sonderdezernats Q weggelobt, das sich um Jahre alte ungelöste Fälle kümmern soll. Aber gerade hier kann Mørck seine besonderen Fähigkeiten ausspielen. Ein hochspannender Krimi.Schändung von Jussi Adler-Olsen
Mørck’s zweiter Fall, auch toll zu lesen, aber wegen des Verhaltens der Hauptpersonen auch unangenehm, weil grausam bei ihnen so normal scheint.Die Jungfrau von Orleans von Friedrich Schiller, e-book Edition
Schiller’s Johanna stirbt heldenhafter als ihr reales Vorbild. Liest sich entgegen der Erwartung in einem Rutsch, macht Spaß und ist spannend.Onkel Toms Hütte von Harriet Beecher Stowe, ebook Edition
Wunderbar, dieser alte, unterhaltsame und immer wieder witzige Schreibstil samt seiner mitreisenden, spannenden Geschichte vor dem Hintergrund der US-amerikanischen Sklavenhalterkultur des 19. Jahrhunderts.In tödlicher Absicht – ein Krimi aus der Dordogne von Michelle Wan, Goldmann
Das Goldmann-Buch bestätigt die Erwartung… Der Krimi selbst ist nicht schlecht, jedoch ein wenig konstruiert. Auch wenn die „Ermittler“ Laien sind, benehmen sie sich gelegentlich so schlicht, wie das Buch insgesamt geschrieben ist. Nette Unterhaltung, wenn man nichts anderes zu lesen hat.Im Mai gelesenGeschichte Luxemburgs von Michel Pauly, C.H. Beck Wissen
Luxemburg, das sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer Nation entwickelte, war seit vielen Jahrhunderten Spielball der europäischen Mächte. Ein interessantes Buch, das ein Fachmann geschrieben hat, der es versteht, auf wenigen Seiten verständlich die Zusammenhänge europäischer Geschichte aus der Sicht eines kleinen Landes darzustellen.Tod und Regen von Ludwig Stephan, Fischer Verlag
Ein fauler Kommissar, der seinen Beruf hasst. Erfolge erzielt er durch den zweiten Charakterkopf dieses Krimis, seinen Assistenten. Dieser macht die Arbeit und ist schließlich derjenige, der die Fälle löst. Spannend bis zum Schluss. Man freut sich schon auf den zweiten Fall von Kommissar Zorn.

Eine Zierde in ihrem Haus – Die Geschichte der Ottilie von Faber-Castell
von Asta Scheibe, Rowohlt
Ein wunderbares Buch, das besonders an Frauenrechten und Geschichte Interessierten gefallen wird. Auch wer einen unterhaltsamen Roman lesen möchte, kommt auf seine Kosten. Ottilie von Faber-Castell verliert ihr gesamtes vom Großvater geerbtes Vermögen an ihren vormals mittellosen Ehemann. Sie befreit sich von den gesellschaftlichen Fesseln, die Frauen am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelegt waren und folgt ihrer Liebe.Schiffbruch mit Tiger von Yann Martel, Fischer
Ein schönes Buch über die Religionen, den einen (?) Gott und das Leben, in deren Verlauf der Sohn eines indischen Zoodirektors nach dem Untergang des Schiffes, das die Familie nach Kanada bringen soll, mit einigen Tieren, schließlich mit dem wilden bengalischen Tiger, auf dem Rettungsboot landet und um’s Überleben kämpft.