Vor der Winterpause

DSC_8713Über einige kleine Orte mit der einen oder anderen Sehenswürdigkeit fahren wir querfeldein nach Allenstein/Olsztyn. Dort finden wir außerhalb den einzigen, geöffneten Platz hinter einem Hotel vor, dessen Ursprünge tatsächlich im Camping sozialistischer Zeit liegen.
Nach der Wende hat man kräftig investiert und ein für den Ort großes Hotel gebaut, das zumindest zur Zeit ausgesprochen gut besucht ist, wohl auch wegen des empfehlenswerten Restaurants. Wir haben hinten im Garten unsere Ruhe und einen schönen Blick auf den See. Allerdings hält sich die Lauschigkeit wegen der Kälte doch in Grenzen.
Im Ort selbst entdecken wir ein gutes Piroggenlokal. Das ist wichtig und erwähnenswert, weil wir bisher nämlich keinen Treffer gelandet haben. Einmal war der Teig zu klebrig, ein ander mal – Entsetzen in Danzig – frittiert…geht gar nicht, finden wir. Jetzt also endlich gute Piroggen in einem kleinen schlichten Lokal, das gestopft voll ist mit Einheimischen.
Viele alte Gebäude zieren die Stadt. So auch das Gebäude der Allensteiner Zeitung/Gazeta Olsztynska, die auf eine lange Tradition zurückschaut und deren Aufkauf 1998 ausgerechnet durch einen deutschen Verleger viel Unmut in Polen bzw Allenstein erzeugte.

An unserem Seeplatz überlegen wir, wie es weiter gehen soll. Wir wollten noch ein bisschen in den Masuren herumschippern vor dem Abzweig in den Süden, aber es wird immer kühler und nasser. Sehr unwirtlich. Deshalb brechen wir doch jetzt schon gen Süden auf.

Torun, zwischen Danzig und Łódź gelegen, lädt mit einer schönen, geradezu modernen Einkaufsstraße ein. Eine hübsche Altstadt. Wir haben uns nicht detailliert erkundigt und sind positiv überrascht. Außerdem ist viel los hier, die Straßen sind voller Menschen. Ohne Touristen wirken solche Orte um diese Jahreszeit meist deutlich verschlafener, nicht so Torun. Vielleicht liegt es an der lokalen Spezialität, den Pierniki, den Pfefferkuchen. Die versuchen wir natürlich und nehmen auch noch für Krakau, also Dominique, etwas mit, müssen aber enttäuscht sagen, dass die echt nicht überwältigend schmecken und sehr aromatisiert sind. Auch der Leb- und Pfefferkuchenliebhaber Martin kann der Toruner Spezialität nichts abgewinnen. Wir kaufen lieber wieder in Ulm…..

Weiter geht es, halb geplant, halb zufällig, es liegt fast auf dem Weg, nach Uniejów. Dort gibt es eine schöne Therme. Therme heißt warmes Wasser, also kann sich auch Martin mit dieser Idee anfreunden. Handtuch und Badesachen geschnappt, nachdem wir abseits der Busse und Pkws auf freiem Feld den Trolli abgestellt haben und rein. Zum Glück haben wir an die Badeschlappen gedacht, denn wir müssen bereits vor der Kasse Schuhe wechseln und Jacken abgeben. Beides darf nicht mit. Es dauert anfangs, bis wir das begreifen, unsere englischen Rückfragen werden mit Schulterzucken, Abwenden und Ignorieren beantwortet. Nun gut, umgeschaut und den anderen nachgemacht. Dann rein, umziehen und ab in die warme Brühe. Ooooch, herrlich. Knapp über 30 Grad bei maximal halb so hoher Außentemperatur. Viele Sitz- und Liegemöglichkeiten im Wasser, viele Düsen, Sprudler und Wasserfälle von oben. Wir kennen uns da ja nicht so gut aus. Ob das nun super toll oder so lala ist für geübte Thermenbesucher, wer weiß. Ist auch schnuppe, wir finden es richtig schön und entspannend, wunderbar. Wie die Kinder rutschen wir die große, breite und die lange, geschlossene Rutsche und haben einen Riesenspaß. So viel Spaß, dass wir doch glatt am nächsten Morgen noch einmal ins Bad gehen, bevor wir aufbrechen. Allerdings gestaltet sich der Zutritt nun nicht schwierig, weil wir es nicht verstehen, sondern weil just, als wir an die Kasse kommen und bezahlen möchten, der Strom ausfällt. Das Notaggregat bedient die Kasse bzw. den Kassencomputer nicht. So warten wir also geschätzte 10 Minuten auf den Badespaß.

Nun ist es nicht mehr weit nach Łódź. Übrigens: nein, nein, es heißt nicht Llllllodsch. Das polnische mit Querstrich versehene Ł wird mehr wie ein dahin gehauchtes, verschlucktes W ausgesprochen. Sicher habt Ihr das mal bei Wałęsa gehört und Euch gewundert über diesen komischen Laut in der Mitte. Genau, das ist das polnische Ł.

Aus einem Blog haben wir uns die Daten des Friedhofsparkplatzes notiert, den wir ansteuern. Nebenan auf dem Friedhof gibt es ein Dixi-Klo, das müssen wir nutzen, dann können wir einen Tag länger stehen. Schräg gegenüber fährt die Tram ins Zentrum. Prima kostenloser Stellplatz. Etwas uneben, aber ausreichend Platz und in die Ecke geparkt sollten wir niemanden stören.

Es gibt reichlich Museen in Łódź zu besichtigen, das wird uns allerdings zu viel. Wir beginnen mit dem Fabrikmuseum. Das gefällt uns gut. Auf dem Gelände der ehemaligen Textilfabrik von Łódź (vor dem ersten Weltkrieg eine der größten europäischen Fabriken, dann ging es abwärts, danach noch einmal eine Wiederbelebung, aber nach dem 2. Weltkrieg kam die Enteignung) wurde ein riesiges Gastro- und Shoppingcenter errichtet. Aber alles, und das macht es sehr attraktiv und ansehnlich, im alten Stil, nämlich aus Backstein. Sieht klasse aus. Und natürlich besuchen wir das Textilmuseum. Dort stehen auch noch alte Maschinen, die sogar kurz angeworfen werden, weil gerade eine Schulklasse zu Besuch ist,
lodz pflaster-NamenAuch ansonsten gibt es in der Stadt einiges zu sehen, vom modernen und farbenfrohen Busbahnhof über die vielen interessanten Gebäude in der Fußgängerzone samt den Namen der während der Nazizeit Ermordeten im Straßenpflaster. Oder den jüdischen Friedhof, zu dem wir weit laufen, der dann aber just an diesem Tag wegen einer ‚Veranstaltung‘ geschlossen ist.
Ein wieder einmal sprachlich lustiges Erlebnis haben wir im Costa Coffee. Ja, da gehen wir ab und zu hin, da gibt es nämlich ordentlichen Espresso und gutes Internet. Jedenfalls erhalten wir dort eine Stempelkarte, die Mädels sprechen unterschiedlich gut englisch (sonst im Costa wirklich gut). Da fällt Claudi ein, dass wir doch in Danzig sicher zweimal im Costa waren, mei, da hätten wir stempeln können. Das erklären wir der jungen Frau, also wir wollen ihr erklären, dass es schade ist, dass die Kollegen in Danzig nicht auf die Idee gekommen sind, uns eine Stempelkarte zu geben. Sie reagiert irgendwie komisch, winkt einfach ab, will nicht zuhören. Wir reden langsam und vom Costa Coffee in Danzig, natürlich sagen wir Gdańsk. Sie rollt mit den Augen, sagt nur no no no und kann oder mag uns nicht verstehen. Nein, nein, nein, da musst Du jetzt durch Mädel, Moment, also nochmal. Wir sind in Polen, wir waren in Danzig, wir waren dort auch im Costa…..etc. Irgendwann scheint sie zu verstehen oder tut zumindest so. Faszinierend an diesem Gespräch, naja, an diesem Monolog, war, dass die junge Frau auch bei polnischen Worten nur noch abgewunken und ‚ich versteh‘ nicht’ vor sich hin gemurmelt hat, eine irgendwie witzige und groteske Situation. Denn einige Brocken englisch konnte das Mädel durchaus, aber dieser Angriff der Ausländer war zu viel.
An unserem letzten Abend steigen wir am Friedhof aus der Tram. Martin hat Lust auf ein Bier, zu Hause gibt es keines, also muss eine Kneipe her. Aber hier draußen? Schlechte Karten. Auf der Kartenapplikation auf unserem Mobiltelefon schauen wir, ob es doch um drei Ecken herum irgendetwas gibt. Einen guten Kilometer in die Hochhäuserbebauung hinein entdecken wir tatsächlich eine Kneipe. Es ist eine Pizzeria, klein und gut besucht, ca. 25 Plätze gibt es hier. Und so, wie die Leute schauen, war hier noch nie ein Ausländer. Hammer, wir werden wirklich regelrecht begutachtet. Chef und Chefin allerdings sind dermaßen freundlich, es ist wunderbar. Der einzig freie Tisch in dieser Arbeiterviertelkneipe, auf dem die Handys der Familie liegen, wird frei geräumt, wir wollen keine Umstände machen, nein, nein, nein, setzen, alles gut, Karte, was trinken? Ja klar, hier trinken wir auf jeden Fall was, ist so herzig und untouristisch. Und so schön, dass wir auch etwas essen möchten. Natürlich gibt es nur eine polnische Karte. Den Belag für die Pizzen besprechen wir deshalb an der Theke, dort zeigt uns die Chefin, was es alles gibt, prima. Die Pizza schmeckt absolut gut, wir haben einen lustigen Abend. Am Nachbartisch wird irgendetwas gefeiert und reichlich getrunken und gelacht. Beim Abschied zeigt uns der, wie wir so erfahren, Jubilar, was er von seinen Kollegen zum 60-er geschenkt bekommen hat und verabschiedet sich herzlich von uns. Heidenei, da müsste man halt die Landessprache können…..

PilzEs soll noch einmal 2-3 Tage sonnig werden vor dem endgültigen Einzug des kalten Herbstes. Deshalb halten wir nach dem Aufbruch in Łódź weiter gen Süden. Unsere Idee, wieder ein paar Tage in Tschenstochau (Schwarze Madonna, Ihr erinnert Euch?) auf dem schönen und gepflegten Campingplatz zu verbringen, zerschlägt sich leider. Trotz anderer Angabe im Internet und Pilgermassen auf dem Weg und um die Madonna herum hat der Platz bereits geschlossen. Hmmm, schade, gut, wir fahren weiter und halten im Großraum Kattowitz und nicht mehr weit von Krakau auf einem Platz abseits von jeglichem Trubel, einer Stadt oder ähnlichem. Nur ein Straßendorf begleitet uns dorthin. Wow, hier draußen so ein ordentlicher Platz, total knuffig, gegenüber der Bauer mit seinem wilden Garten. Heiße Duschen, sogar Internet und im ‚Ort‘, man glaubt es kaum, ein Lebensmittelgeschäft, ganz klein, aber vollgestopft. Es gibt alles, was man braucht, sogar eine kleine Fleischtheke, unglaublich, aber wahr und halt in Polen! Dorthin geht’s meist mit dem Radl. Vom Platz aus spazieren wir direkt durch den benachbarten großen Wald, wo wir unglaublich viele Pilze sehen. Es gefällt uns gut hier. Einzig die vielen Hunde sind eine Plage, die ohne Unterbrechung bellen, wenn man zu Fuß auf dem Weg zum Laden die Grundstücke passiert, was wir nur einmal machen. Denn auf dem Rückweg peilt uns bereits viele, viele Meter zuvor ein mittelgroßer Hund von der anderen Straßenseite aus an. Er heftet seinen Blick regelrecht auf uns. Wir wollen diese Stelle möglichst dann passieren, wenn Autos vorbeifahren, so dass der Kerl gar nicht erst herüber kommt. Leider klappt das nicht und er kreuzt bellend und auf uns zusteuernd die Straße, wirkt angriffslustig und nicht freundlich, Mist. Claudi, die mit Hunden kann, ist verunsichert. Der ist nicht nett, das steht fest. Die Augen sind böse, er beginnt zu knurren und fletscht die Zähne. Kacke. Sie jagt ihn fort, wird sehr laut, schreit ihn an, es dauert wirklich lange, bis wir den Kerl loswerden, immer wieder setzt er an, uns doch hinterherzulaufen. Nur weil uns bzw. ihm andere (harmlose) Kumpels begegnen, wendet er sich schließlich von uns ab. Das war nicht lustig, wir nehmen ab sofort nur noch das Radl, weil wir Angst haben.
Ansonsten genießen wir die Sonne und lesen viel. Winken dem netten Nachbarn, der ständig irgendwas im chaotischen Garten werkelt und immer freundlich sein Mützchen lupfend polnisch/deutsch grüßt und strahlt. Die paar Brocken deutsch, die er kann, sind von Muttern, die hat noch deutsch gelernt. So verstehen wir auch, dass er mit den Deutschen keine Probleme hat, andere im Dorf hingegen schon…

Es wird Zeit, nach Krakau aufzubrechen. Der Platz von vor drei Jahren hat wie auch andere bereits geschlossen. So landen wir bei einem Hotel nahe der Weichsel, das sein Angebot um einen kleinen Stellplatz erweitert hat. Ruhig ist es hier, Dusche und WC in Containern, die zwar mit Holz ausgekleidet sind. Aber dafür ist es schlicht zu teuer, zumal die Dusche nicht richtig abfließt…igitt…..
Nun gut, wir müssen uns auf das Wetter konzentrieren, denn jetzt hat es dauerhaft mächtig abgekühlt, morgens sechs Grad und Nebel, es ist Mitte Oktober.
Mit Dominique haben wir einen Ausflug vereinbart. So geht es mal raus aus der vollen Stadt. Wir waren schon vor drei Jahren an unserem Ziel, dieser lauschige Platz nahe der slowakischen Grenze und der Dunajec. Vielleicht erinnert Ihr Euch, wir machten damals diese tolle Floßfahrt auf der Dunajec bei bestem Wetter. Sonne und blauer Himmel und lustige Mitfahrer haben uns begleitet. Auch hier im Süden wird viel gebaut, weshalb es zum Wochenende (zumindest bis zum Abzweig nach Zakopane) ordentlich staut. Dann hält uns noch eine Schafherde auf, aber schließlich passieren wir den Stausee kurz vor unserem Ziel und kommen gut und zeitig genug an. Doni bezieht sein Zimmer, wir stellen den Trolli ab. Es ist sehr kühl, aber noch scheint die Sonne. Deshalb machen wir gleich noch einen Ausflug zur nahe gelegenen Burg. Letztes Mal sind wir anders gelaufen, heute entscheiden wir uns für die andere Seite des Stauseeausläufers und können am Kraftwerk nicht passieren. Das Ziel vor Augen weichen wir in den Wald aus. Doni bildet die Vorhut und krackselt zügig bergan, einen Weg gibt es hier nicht. Kommen wir überhaupt weiter? Anstrengend, weil extrem steil, geht es durch den Wald bergan, bis wir schließlich kurz vor der Staumauer und unterhalb der Burg herauskommen. Geschafft. Nach diesem schönen und anstrengenden Ausflug genießen wir ein Radler in der Kneipe unterhalb der Burg und das Abendessen auf unserem Platz. Das Restaurant befindet sich in einem der tollen, alten Holzhäuser der Anlage, einem sogenannten Skansen (wir berichteten bereits bei vergangenen Polen-Besuchen).
Polana SosnyAm nächsten Tag spazieren wir zur Floßablegestelle. Wir haben bereits vor einigen Wochen geklärt, ob die Flöße auch noch im Oktober fahren. Ja, tun sie. Es wird immer kühler und feuchter. Wir müssen trotzdem nicht lange auf Mitfahrer warten, das nächste Floß ist voll. Aber leider wird das Wetter immer unwirtlicher. Das haben wir uns anders vorgestellt. Nun ja, wir hatten schlicht auch Traumwetter bei unserer ersten Fahrt vor Jahren. Dominique gefällt es trotzdem und zum Glück total gut. Claudi und Martin frösteln sich einen ab. Wir trinken Tee mit einem Schlückchen Wodka. Bringt nix. Es beginnt zu regnen, boah, echt kalt, außerdem spritzt der Flößer auf Claudi‘s Seite sie dauernd nass beim rein- und rausstaken. Meine Güte, nach 2 1/4 Stunden steigen wir zwei ‚Alten’ steif gefroren aus dem Floß und jammern über die Kälte. Ab in die nächste Kneipe, es braucht zwei Glühwein, bis wir wieder aufgetaut sind, schnell noch eine Suppe hinterher. Boah, die Lebensgeister kehren zurück. Doni hat es trotz allem richtig gut gefallen, das tröstet uns doch sehr.
Auf dem Rückweg werden wir mal wieder nicht richtig verstanden bzw. man erzählt uns Mist. Ergebnis ist, dass wir nicht in der Nähe unseres Platzes aussteigen können (so vergangenes Mal), sondern beim Einstieg. Da heißt eine Stunde Heimweg im Regen. Na klasse. Dafür Einkauf im Dorf, es gibt gleich nochmal einen Glühwein hinterher, einzig dies rettet den Nachmittag bzw. Abend….
Am Sonntag geht’s dann wieder zurück nach Krakau. Einen weiteren Ausflug schminken wir uns angesichts des schlechten Wetters leider ab. Trotzdem war unser Wochenendtrip wirklich schön und entspannt, wir hatten viel Spaß miteinander.
Zurück staut es noch ordentlicher. Wir wechseln den Stellplatz für Trolli, immerhin liegt der auf dem Heimweg, wir müssen gar nicht nach Krakau rein oder drum herum fahren. Noch ein gemeinsames Vesper, dann fährt Doni heim, es gibt genug zu lesen für die Uniwoche und noch ein bisschen Erholung vor Montag ist auch ok, da ist ein Ausflug nach Auschwitz geplant.
Wir erledigen dieser Tage unsere Einkäufe, gegenüber von unserem sozialistisch anmutenden Platz gibt es ein großes Einkaufszentrum, fahren ein bisschen mit der Tram auch an die Ränder der Stadt, bummeln und suchen uns bereits bekannte Plätze auf.
Das Wetter lässt uns weiter im Stich. Kalt und nass hat sich der Herbst hier in Südpolen eingenistet. Und unser Platz ist wirklich alles andere als schön, alt und trostlos, nichts gerichtet. Das Sanitärhaus ist bereits geschlossen. Wir müssen im Haus in der Etagendusche duschen. Frauen wohnen dort keine, also ist die Dusche für Claudi immer frei. Auch Martin kommt zum Glück immer zum Zug. Wir kennen ja viel, aber das ist alles sehr alt und heruntergekommen. Auch die Gestalten, die hier unterwegs sind – samt Personal – wirken wie aus einem muffigen Sowjetfilm. Heidenei, aber, und das ist wichtig, Dusche und WC sind immer frisch geputzt.

Schließlich ist der Höhepunkt Dominique’s 30. Geburtstag Ende Oktober und der Überraschungsbesuch von Schwester Désirée mit Freund Andreas und Mama Gaby.
Wir wissen Bescheid, dürfen aber natürlich nichts verraten. Mama ist offiziell angekündigt und das für Samstag Abend 20 Uhr. Wir sind abends mit Doni unterwegs, müssen zwischendurch unauffällig den Schlüssel für das von den Besuchern angemietete Appartement abholen, weil die vielen Staus die Ankunft immer weiter verzögern. Also haben wir parallel Kontakt zu Désirée, während Doni offiziell mit seiner Mutter kommuniziert.
Es wird tatsächlich nach Mitternacht, bis die drei nach langer, langer Fahrt endlich ankommen. Die Freude ist groß, trotzdem geht es bald ins Bett. Wir bekommen wegen des sehr aktiven Krakauer Nachtlebens erst nach 1-2 km Fußweg ein Taxi. Aber immerhin, wir bekommen eines.
Zu Dominique’s Geburtstag kommen dann noch zwei Studienfreundinnen eingeflogen. Der Feier steht nichts mehr im Weg.
Wir waren nun sehr lange in Krakau und brechen direkt nach dem Geburtstag gen Heimat auf. Statt Pause noch in Polen lassen wir es laufen, übernachten in Bautzen (abends sind dort immer die Gehsteige hochgeklappt), dann noch in Schwandorf und schwupp sind wir in München. Seit der Grenze haben wir schlechteres Netz als in Polen und natürlich viel weniger WLAN Angebot. Unglaublich, wie rückständig wir da in Deutschland sind….
In unserer Wohnung sind wir dann leider nur für eine halbe Stunde, um nach dem Rechten zu schauen und das Wasser abzustellen. Es gab einen enormen Wasserschaden über uns. Das haben wir unterwegs nach einer Woche an der polnischen Ostsee per Mail erfahren. Wir konnten mit dem Bauträger und unserem Küchenbauer, der noch einen Schlüssel hat (ja, es fehlen noch immer Fronten in unserer Küche….ratet mal die Marke…!) vereinbaren, dass sie schauen, ob die Wohnung trocken geblieben ist. Hört sich jetzt ganz locker an, war aber, als wir es erfahren haben und bis zum entwarnenden Anruf beider (Bauträger bei Claudi, Küchenbauer bei Martin) sehr nervzehrend. Wenn man da eine Mail nach unterwegs und nicht gerade um‘s Eck bekommt….. „leider hat es bei den Nachbarn über ihnen einen Wasserschaden gegeben. Da dieser erst morgens festgestellt wurde, ist eine größere Menge Wasser bis in die Tiefgarage gelaufen… usw…“, ist man womöglich etwas unentspannt.
Aaaahhh, man sieht das aufgeweichte Parkett schon vor sich. Aber was tun, bevor geklärt ist, was denn wirklich bei uns passiert ist…
Die beiden (Bauträger und Küchenbauer) waren also schließlich über eine Stunde in unserer Wohnung. Nichts, einfach nichts, keine Feuchtigkeit, keine Spuren, kein Geruch. Hammer, was für eine Erleichterung bei uns!!
Äh, zwei Wochen später dann erneute Mail (wir sind gerade in der Fabrik in Łódź):
‚,leider wieder schlechte Nachrichten, dieses Mal Wasserschaden im 5. Stockwerk…“ Ne oder? Verarschung? Sofort Anruf beim Bauträger. Tatsächlich. Ursache nun auch bekannt, defekter Waschmaschinenanchlusshahn. Produktmangel. Alles muss ausgetauscht werden. Wir werden weiter informiert. Es stellt sich heraus, dass dieser Schaden auf der anderen Seite des Treppenhauses passierte und uns nicht berühren kann.
Also (zurückkommend auf das Abstellen des Wassers) fahren wir zur Sicherheit nun noch zu Hause vorbei und stellen das Wasser ab. Im Briefkasten liegt auch ein Schreiben, dass wir das tun sollen. Und dass alle Hähne geprüft und ggf. getauscht werden. Schnell noch den Handwerker angerufen und für in 14 Tagen Montag morgen 7:30 Uhr einen Termin ausgemacht. Wir müssen nach Stuttgart, haben in der Woche drauf lauter Termine dort.
Ihr seht, auch zu Hause ist es spannend… Die Familie über uns, die vom ersten Schaden heimgesucht wurde, war 7 Wochen im Hotel. Ganzes Parkett raus, Löcher in Fliesen in Bad und WC für Trocknung, Trocknungsgeräte aufgestellt. Türrahmen aufgequollen… richtig schlimm hat es die erwischt, auch die haben eben erst die Wohnung gekauft….

Inzwischen geht es wieder um die alten kleinen noch nicht behobenen Mängel unserer Wohnung, grins. Nach zwei Wochen gemütlichen Zwischenstopps (per Flug) bei Ute und Peter in der Sonne Marbella’s sind wir seit kurz vor Weihnachten wieder fester in München. Und richten uns weiter ein und freuen uns an unserer Wohnung. Neue Pläne sind so ein bisschen in Sichtweite, aber noch zu vage, um verlautbart zu werden…
Anfang Februar dann noch ein Kurzaufenthalt in Stuttgart, Claudi’s grauer Star am anderen Auge hat zugenommen und musste nun auch operiert werden. Lief alles gut, nun noch etwas langsam tun, kein Druck, keine große Belastung, aber alles prima so weit.

Nun suchen wir schnell noch ein paar Fotos für Euch raus. Tschüß an dieser Stelle und bis zum nächsten Ausflug Richtung Mai. Gerne hören wir bis dahin auch von Euch.