Auf dem Weg in die Heimat

buganvillaLeider ist der ansonsten gute Stellplatz (WCs, Duschen, heiße Spüle, Waschmaschine) bei Murcia recht laut, viel Verkehr drumrum auf der Umgehungsstraße und dazu keine vernünftigen Spaziermöglichkeiten. Also verweilen wir nicht allzu lange. Auf dem Weg nach Valencia halten wir noch drei Nächte auf einem Platz ca. 60 km südlich. Auch gut ausgestattet für den Preis (8.- EUR exkl. Strom). Aber sehr stark in der Hand von Überwinterern, die wohl immer und ewig hier sind. Wir nutzen die Lage direkt hinter der Düne am Strand für unsere Spaziergänge. Aus Marbella hören wir von Ute, dass es, seit wir los sind, fast nur regnet, kaum ein Sonnenstrahl, Trauer ob unserer Abreise? 😉
Wir haben es besser erwischt, klar auch hier und da etwas Regen, aber nicht so unschön wie im ansonsten immer begünstigten Marbella.
Valencia, das uns nach wie vor gut gefällt, besuchen wir kurz. Wieder gehen wir auf den uns bekannten Platz nordwestlich der Stadt. Dort waren wir vor zwei Jahren ein paar Tage. Vergangenes Jahr nur eine Nacht. Trotzdem werden wir von der netten und taffen Mitarbeiterin sehr herzlich begrüßt. Sie winkt gleich, obwohl im Gespräch mit anderen neuen Gästen und umarmt uns dann geradezu stürmisch. An unserem zweiten Tag in der Stadt – wir sind den schönen Park, der sich als halber Ring von Nordwesten bis Ost-Südost um die Stadt schmiegt, entlang spaziert, haben uns an den Jacarandabäumen erfreut (kennt Ihr die? Tolle lila Blüten, wir wussten nicht, dass das Jacarandabäume sind, hat Ute uns aufgeklärt), sind dann abgebogen, um in der Apotheke beim Mercado Colón unsere Bestellung vom Vortag abzuholen – spricht uns plötzlich ein Mann an. Er fragt uns, ob wir deutsch sprechen und ihm bitte zuhören können. Dann ergeht ein Redeschwall über uns. Nach dem günstigen Flug nach Barcelona, um dann mit dem Zug weiterzufahren zum Hafen von Valencia, wo er nach Ibiza übersetzen kann, wurde er in der Metrostation in der Früh überfallen und ausgeraubt. Er hat ein paar Macken, redet ohne Punkt und Komma, hat nur noch seine Jacke in der Hand und ist vollkommen durch den Wind. Eine Geldanweisung hat mangels Identifikation nicht funktioniert usw usf. Es ist schwierig, seiner Erzählung zu folgen, weil der Wasserfall nur so sprudelt. Er braucht nur das Geld für die Fähre, in Ibiza ist er öfters im Haus eines Freundes und kann sich dann um alles kümmern. Einzig seine Krankenkarte, weil die in der Jacke war, hat er noch und zeigt sie uns. Martin schlägt vor, dass wir jetzt erst mal in Ruhe essen gehen, damit der Kerl auch wieder zu Kräften kommt. Immer wieder bleibt er auf dem Weg zu einem Lokal stehen und stützt sich auf seinen Oberschenkeln ab, schüttelt den Kopf, wie das nur passieren konnte. Schließlich essen wir also miteinander, reden über eher belanglose Dinge, erfahren, dass Bernhard in Würzburg lebt (das Fränkische hört man ohnehin deutlich). Wir entscheiden uns, ihm zu helfen, holen Geld und drücken ihm, damit er sich auch weiter verpflegen kann etc., 200.- EUR in die Hand. Er ist ganz überwältigt, will uns, wenn alles überstanden ist, das Geld natürlich sofort zurückzahlen und uns überdies eine Kiste Wein schicken. Außerdem fragt er mehrfach, ob wir nicht einfach mitkommen nach Ibiza, wir könnten im Haus mit wohnen, kein Thema. Das passt nicht in unsere Pläne. Nach einigen Stunden miteinander verabschieden wir uns also, wünschen alles Gute, Bernhard bedankt sich nochmal überglücklich, und unsere Wege trennen sich. Hoffentlich kommt er nun gut an.

Nach Halt in der Nähe von Barcelona, wo Jugendliche abends etwas Radau machen, verlassen wir nach Monaten Spanien, und es geht wieder nach Frankreich. Der ausgesuchte Campingplatz ist doof. ste-marieWinzige Plätze für WoMos, quasi nur als Abstellplatz zwischen den Mobilheimen, zudem sehr schattig. Wir gehen wieder und fahren an das andere Ende des Ortes. Und siehe da, ein einfacher aber ordentlicher und großzügiger Platz und zufällig der, den wir schon in Marbella gesucht, aber nicht mehr gefunden haben. Dort waren wir vor über 20 Jahren mit den Kindern und dachten noch in Spanien, dass wir in Südfrankreich dann mal wieder dorthin könnten. Wir wussten aber weder die Stadt noch den Namen des Platzes, nicht einmal mehr die genaue Ecke da unten in dem Zipfel des Languedoc. Ein toller Trost, unser Zufallsfund. Große Stellplätze, direkt am Meer gelegen, über ein Tor kommt man zum Strand und kann wunderbar dort entlang Richtung Ort spazieren. Das einzige, was uns umhaut, sind die Preise. Nach Monaten in Portugal und Spanien fällt man ob der französischen Preise fast in Ohnmacht. Alles ist gut ein Drittel teurer, wenn’s reicht, irre. Natürlich haben wir trotzdem eine schöne Woche, wir gehen viel spazieren, haben ein tolles, großes Schwimmbad und ausreichend Sonnenschein, herrlich. Aus unserer Fotosammlung auf externer Festplatte (Martin hat sich 2012 nach unserer Entscheidung, dann mal zu entschwinden, gleich daran gemacht, alle seinen alten Dias einzuscannen, eine wochenlange Mammutaufgabe; nun greifen wir darauf zu) kramen wir Bilder der Kinder von damals heraus und versenden sie.

Nach sehr entspannten Tagen fahren wir über Land weiter nach Carcassonne. Och, eine tolle Fahrt durch die wunderschöne Landschaft der Corbières. Auch in Carcassonne waren wir damals mir den Kindern und freuen uns, wieder einmal hier zu sein. Da ungefähr haben wir gezeltet und dort an der Hecke hat dieser laute Schnarcher geschlafen und dann ist uns das schwarze Kätzchen zugelaufen. So und weiter schwelgen wir in Erinnerungen. Und endlich schaffen wir es, mal eine Nachtaufnahme hinzubekommen. Nicht wie damals in Reims und Avila, wo kurz vor unserer Ankunft mit Foto und Stativ auf dem richtigen Aussichtsplätzchen nachts um 23 Uhr das Licht ausging. Carcassonne hat mehr Strom 😉

Wieder über Land geht es weiter in’s L’Herault, wir machen Halt in Uzès, wo wir gratis bei einem Weingut stehen können. Das scheint gut bekannt zu sein, es ist voller als auf allen anderen Plätzen zur Zeit, und viele weinkaufende Camper sind da. Zu Fuß ist man ruckzuck im schönen Ort, und am nächsten Morgen können wir zum ersten Mal im Leben eine mobile Weinabfüllanlage bestaunen. Ein langer Lkw, dessen Auflieger vorne an das Wasser angeschlossen wird, damit die Flaschen in einem Rondell gereinigt werden können, dann nach hinten durchlaufen und mit Wein gefüllt werden, um ganz hinten schließlich von den Weingutmitarbeitern in Kartons verpackt zu werden. Alle Farben, rot, rosé (der 2015-er schmeckt klasse) und weiß werden an diesem Tag abgefüllt. Nach dem Frühstück im Ort und kurzem Durchschlendern geht’s auch schon wieder weiter. Heutiges Ziel ist Saint Guilhem le Desert mit seinem am Fuße der Felsen liegenden Kloster, einer der schönsten Orte Frankreich’s, wie es heißt. In der Nähe des Klosters zu parken können wir komplett knicken, hier ist viel los, uns es gibt keine Parkplätze für WoMos, nur ausdrückliche Verbote. Deshalb fahren wir doch zum Stellplatz, der gut 5 km entfernt liegt und schauen uns nach einer Transportmöglichkeit um. Der Pendelbus fährt nur in der Hochsaison, also müssen wir den gerade mal dreimal am Tag verkehrenden regulären Bus nehmen. Hoffentlich kommt der dann auch morgens um 8, wie uns der Fahrplan wissen lässt. Und tatsächlich, auch wenn das alles sehr abgelegen aussieht, der Bus ist pünktlich. Und wir dürfen nicht bezahlen, im Ernst. Wir sagen unser Ziel, das sind nur zwei Haltestellen, da meint der freundliche und gut gelaunte Busfahrer, ach was, schon ok, setzt Euch hin. Das Kloster ist dann leider nicht so toll sichtbar wie auf den Werbebildern, das sind entweder Luftbilder, oder sie wurden von gegenüber über dem Fluss gemacht, Brücken sind aber keine in Laufweite. st_guilhemTrotzdem ist es schön, vor allem noch ganz ruhig so zeitig, so dass wir einsam durch das kleine Dörfchen spazieren und hinter dem Dorf etwas die Anhöhe hinauf, wo wir schöne Ausblicke haben. Schließlich gibt es zurück im Dorf noch einen Espresso auf einer Hotelterrasse, die Bars und anderen Läden haben noch gar nicht geöffnet. Und der Espresso schmeckt besser als erwartet, sozusagen richtig gut. Das ist in Frankreich die Ausnahme, Espresso machen können die Franzosen unser Meinung nach nämlich leider überhaupt nicht, immer zu viel Wasser auf die Pulvermenge…. 🙁
Den Rückweg wollen wir nicht an der Straße absolvieren, also laufen wir in die Hügel. Aus diesem Spaziergang wird dann eine ordentliche Wanderung. Wir bewältigen einige Höhenmeter, haben wunderschöne Ausblicke ins Flusstal des L’Hérault, verlaufen uns am Schluss noch, der Weg ist schlecht markiert und so arbeiten wir uns eine Dreiviertelstunde wirklich mühsam durch Geröll und Gestrüpp wieder hinunter. Wir rutschen oft aus und fallen hin, es passiert aber nichts. Total geschafft kehren wir im Dorf nahe dem Stellplatz in einer Kneipe an und stärken uns. Wir wollen aber noch ein Stückchen weiter, also aufgerafft und zum Trolli zurück. Noch einmal über eine der ältesten romanischen Brücken Frankreich’s spaziert, die Teufelsbrücke am Taleingang nach Saint Guilhem.

Durch die schöne Hügellandschaft des L’Hérault geht es Richtung Vaucluse, nicht weniger reizvoll. Wir wollen die Abtei von Sénanque aufsuchen. Claudi war vor 30 Jahren mit der Schulklasse hier beim, naja, fast obligatorischen Frankreich-Ausflug der Schule in die Tübinger Partnerstadt Aix-en-Provence. Die Abtei steht noch, aber leider, leider, sind wir zu früh dran, der Lavendel blüht noch nicht. Und ohne Lavendel ist das nunmal nicht mal halb so schön 😉
gordesZum Trost kommt ein Abtei-Lavendel-Foto-Magnet in’s Auto an die Magnetleiste. Also da müssen wir noch einmal zur richtigen Zeit hin, Claudi hat Martin nun schon seit Jahren von diesem schönen Bild erzählt, da reicht der Magnet natürlich nicht dauerhaft. Aber das kurz vor Sénanque liegende Örtchen macht einiges wett. Gordes, auch eines der ’schönsten Dörfer Frankreich’s‘. Was für ein Anblick, so traumhaft schön an den Hügel geschmiegt, wow. Das ist einen Besuch wert, keine Frage. Wir parken Trolli etwas abseits unterhalb des Ortes und spazieren hinauf. So können wir auch all die Aussichtsplätze abklappern und gar nicht sagen, von wo der Blick am schönsten ist. Der Ort selbst ist natürlich ein Touristennest, aber wir haben Glück ob der Jahreszeit, im Sommer ist es hier wohl nicht auszuhalten vor Menschenmassen (wie an allen ’schönsten‘ Orten der Welt zur Hochsaison). Wir übernachten auf dem freien Parkplatz und fahren erst am nächsten Tag weiter. Durch die Berge des Luberon begleitet uns wieder eine herrliche, heute lieblich hügelige Landschaft, dazu viele leuchtende Mohnfelder und ‚Bauxitdörfer‘. Ein wenig drum herum, ein bisschen durch die Berge des Gebietes um den Sainte Victoire geht unsere Route Richtung Aix-en-Provence. Übrigens: es ist kein Spaß, was in den Nachrichten zur Zeit gemeldet wird. Hier auf dem Land hat mindestens jede dritte Tankstelle keinen Sprit mehr. Andere sind inzwischen abartig teuer. Man kann regelrecht zusehen, wie der Sprit ausgeht, in Uzès abends noch eine lange Schlange, morgens rot-weißes Absperrband, ausverkauft. Wir haben auf dem Weg über Avignon vor zwei Tagen noch relativ günstig nachgefüllt, wer weiß, wie lange das hier so weitergeht. Von Freunden hören wir, dass sie ihre Heimfahrt aus Südfrankreich über Italien absolvieren…
Wieder ist ein Campingplatz nicht nach unserem bzw. Trolli’s Geschmack, der Platz nahe Aix hat viele niedrige Bäume, schiefe und schattige Plätze, das sagt uns dreien nicht zu. Also weichen wir auf einen Alternativplatz aus. Der liegt etwas abseits, aber nach den vielen Fahr- und Besichtigungstagen legen wir ohnehin ein Päuschen ein. Da passt uns der kleine und ruhige Platz hier bei Peyzier am Waldrand gut. Dann soll unsere Reise weiter über Cassis gehen, tolle Felsen am Meer unterhalb von Marseille. Auf der Karte sieht das Dorf am Hügel gelegen aus, viele kurvige Straßen. Wir geben einen Parkplatz nahe der Felsen als Ziel in unser Navi ein. Schon den Weg dorthin vor dem Ort leitet uns Cyndi merkwürdig, aber meist hat sie dafür ihre Gründe, zu niedrige Unterführung oder Gewichtsbeschränkung einer Brücke. Schließlich gelangen wir in den Ort. Der letze Weg bergab hat 20 % Gefälle, im Schritttempo fahren wir hinunter und, oh, siehe da, die Straße hört auf, eine entgegenkommende Einbahnstraße beginnt, rechts Hauswand, links Parkhauseinfahrt, nix geht mehr. Mist. Wenigstens reicht der Platz zum Wenden. Also wieder hinauf, abseits des Zentrums ist überall strenges Parkverbot, teilweise ausdrücklich für Camper. Wir sind enttäuscht, verzichten auf die Sehenswürdigkeit und fahren weiter. hyeresDafür machen wir dann Halt auf einem gemütlichen Camping auf der ‚doppelten‘ Landzunge bei Giens unterhalb von Hyères, das Cap de l’Esterel gleich um die Ecke. Schöne Wege Richtung Strand und an den Felsen führen um die Halbinsel, ideal für einen Morgenlauf. Über die Corniche de l’Esterel hinter Fréjus fahren wir weiter. Zuvor bei Sainte Maxime ist internationales Vespa-Treffen. Ihr macht Euch kein Bild. Anfangs, noch etwas entfernt vom Ort, denkt man, na gut, die eine oder andere Vespa. Dann jedoch Hunderte von Fahrzeugen, ein unglaubliches Geknatter und Gewühle, man könnte es durchaus chaotisch nennen. Alle fahren wild durch die Gegend, drehen Kreise, hupen, winken, lachen, der Hammer. An Halten ist auch hier nicht zu denken, es ist Wochenende, alles ist zugeparkt und für Trolli gibt es schon gar keinen Platz. Also weiter, auch an der Corniche dann können wir nicht halten, Parkverbote oder Höhenschranken an den Parkplätzen. Das ist schon schade, wir wollen ja gar nicht auf einem Parkplatz für umme übernachten. Aber so können wir nicht einmal halten wie ein anderer, normaler Durchreisender….kurz danach aber haben wir noch Glück und finden eine freie Haltebucht für ein kurzes Päuschen samt Blick auf die roten Felsen. Weiter geht’s bis kurz vor Nizza, auch hier ein ziemliches Verkehrschaos und leicht abenteuerlicher Zugang zu einem freien Parkplatz. Aber Hauptsache angekommen nach dem zwar schönen, aber auch etwas anstrengenden Fahrtag für Martin. Es regnet, den Rest des Tages verbringen wir im Auto.
Am nächsten Tag tanken wir nochmal für sensationelle 1,14 EUR und ab auf die Autobahn, was wir bisher vermieden haben, aber das Chaos bei Nizza und Monaco wollen wir uns mit dem Trolli nicht geben. So fahren wir über die recht kurvige und sehr tunnellastige Autobahn Richtung Genua. 40 km der Strecke verbringen wir im Stau, Käse. An der nächsten Raststätte herrscht demnach, weil natürlich alle rausfahren, ein unbeschreibliches Durcheinander. Es ist proppevoll, Pkw, Lkw, alle parken überall, wo es noch irgendwie geht. Kurz vor der Ausfahrt können wir uns noch vor einen Laster quetschen. Für das panini, vor allem der Fahrer hat einen Mordshunger, stehen wir recht lange an. Egal, wir bekommen es schließlich, die Mädels hinter der Theke arbeiten wie wild, sind immer noch super freundlich bei der Bewältigung der Massen. Hinter Genua geht’s Richtung Nordosten in die Berge Richtung Torriglia. Wir haben uns den Parkplatz unterhalb des Ortes ausgesucht. Als wir dort ankommen, sind wir baff. Der Ort steht Kopf, die Polizei hat abgesperrt und regelt den Verkehr. Wir kommen nur mühsam zum Parkplatz. Wir haben uns das Dorffest-Wochenende ausgesucht. Halb Genua scheint einen Ausflug hierher zu machen. Die Zufahrt durch die Gasse ist sehr eng, Martin macht das routiniert. Die zwei Alten vor uns auf dem motorisierten Dreirad und im Kleinwagen aber nicht. Das Dreirad will weiter, der Kleinwagen kommt entgegen. Gerade will der Kleinwagen zurücksetzen, da fährt der Dreirad-Alte schon los und donnert mangels Platz rechts das parkende Moped auf ein parkendes Auto, der rückwärts fahrende Kleinwagen im gleichen Moment das neben ihm stehende Moped auf die Wand. Wir warten. Der Kleinwagenfahrer lupft das Moped von Wand und Schürze und setzt zurück. Unser Dreirad-Alter fährt ohne Schadenbegutachtung einfach weiter. Wir nun endlich auch. Der Parkplatz ist rammelvoll, wir stellen uns quer vor zwei Pkw und warten. Tatsächlich kommt nach einer guten halben Stunde einer der Fahrer und möchte raus. Wir sind zur Stelle, aber leider will dann gleich ein anderer, später gekommener Pkw in die Lücke und macht Theater. Naja, dann bleiben wir einfach stehen bzw. fahren nur so weit weg, dass der Parkende raus kann, wir aber gleich wieder zurück. Die Italiener machen mächtig Zicken, wollen die Polizei rufen, was ein Witz, wir warten doch schon lange, was soll das? Wir parken schließlich in die Lücke, setzen aber so weit zurück, dass der Pkw einfach vor uns hinstehen kann. Wir bleiben ja über Nacht. Auf einmal sind die Heinis die pure Freundlichkeit, warum nicht gleich so und zuhören statt so ein Theater machen…
Im Dorf geht die Post ab, die Senioren tanzen vor abgehalfterten Kapellen einstudierte Tänze, die Bäckereien verschenken ein leckeres Gebäck, die Spezialität hier, ähnlich wie Butter-S, aber noch viel leckererererer. Wir belassen es beim Versucherle, die Packung wäre sofort leer gefuttert. Auf der Terrasse der Bar erhalten wir gleich noch diverse Probiererle zu unserem Gläschen Wein. Die Bedienung erkundigt sich mehrfach, ob alles in Ordnung sei und es uns schmecke. Alle sind sehr herzlich und freundlich. Wir genießen den lustigen und gemütlichen Nachmittag bzw. frühen Abend. Da haben wir es richtig gut getroffen und das vollkommen ungeplant 🙂
nachlevico
Nach einem Halt in Cremona fahren wir durch die Po-Ebene und am Gardasee vorbei an den Lago di Levico, südöstlich von Trient. Ein großer, weitläufiger Campingplatz liegt inmitten der Berge ringsum und nahe dem Ort. Hier bleiben wir noch ein paar Tage, bevor es wieder über die Alpen Richtung Deutschland geht. Die angekündigten Gewitter ziehen meist einige Kilometer an uns vorbei, das Wetter ist durchwachsen-sonnig, wir beschweren uns nicht. Leider ist es dann aber auf der Heimfahrt nicht gut genug, um mal wieder in Meran vorbeizuschauen, Nieselregen begleitet uns, also verzichten wir auf den Besuch. So fahren wir die gut 380 km Landstraße über den Reschenpass nach Bad-Tölz. Schöne Landschaft, gemischtes, aber akzeptables Wetter, vor allem, wenn man bedenkt, dass es in halb Europa gerade immer wieder zu fürchterlichen Regengüssen und Überschwemmungen kommt. Auch die Isar in Tölz hat mächtig viel Wasser, erst am übernächsten Tag kommen die Kiesbänke wieder zum Vorschein.
Nun beginnen unsere Terminwochen mit Gasprüfung, Fahrzeugcheck, TÜV, Arztterminen, aber zum Glück auch Freundschaftsbesuchen. So kann Claudi endlich wieder ihre frühere Kollegin Anette besuchen. Die zwei haben sich seit dem zufälligen Treffen in Wien im Herbst 2014 nicht gesehen. Es wird ein total schöner, gemütlicher und austauschintensiver Abend!!! Und lecker bekocht werden wir auch noch. Anette 😘
Ein kleiner Wermutstropfen-Nachtrag noch: vom Valencianer Überfallopfer haben wir nichts mehr gehört. Wir wollten helfen, wurden aber leider abgezockt. Wenigstens haben wir damals unsere Kontodaten für die Rücküberweisung des ‚geliehenen Geldes‘ nicht angegeben. Wer weiß, was der Kerl damit angestellt hätte. Naja, etwas dazu gelernt, leider aber auch, dass wir nicht mehr so gerne glauben und helfen wollen…

Inzwischen sind wir in der alten Heimat und pendeln zwischen Pliezhausen und Stuttgart, also Jenny, Christof und Carolin sowie Désirée und Andi hin und her. Bei beiden haben wir immer ein Gästezimmer, super klasse! Weil Martin seit einiger Zeit durch die eine Nasenseite, von einem uralten Bruch herrührend, immer schlechter Luft bekommt, wird die Nasenscheidewand begradigt. Die OP läuft an sich gut. Leider hat aber die Narkoseärztin wohl das EKG und somit Martin’s niedrigen Puls nicht beachtet. Er ist nach der ambulanten OP vollkommen kaputt und darnieder, trotzdem soll Claudi ihn mit nach Hause nehmen. Dort geht es ihm zusehende schlechter, der Puls sinkt auf 35. Claudi wird es zu bunt, spätabends um halb 11 kommen ärztlicher Notdienst und Notarzt, um Martin ins Krankenhaus zu bringen. Dort liegt er noch lange auf der Notaufnahme, aber man kümmert sich. Claudi ist nachgefahren, geht um zwei Uhr nachts nach Hause, nachdem die Ärztin da war. Am nächsten Tag hört sie, dass der Puls dann sogar noch auf 27 abgesackt ist und die Ärzte doch etwas ins Schwitzen gekommen sind. Der Patient erholt sich für diese Hammernacht recht gut, muss aber langsam tun, zumal man jetzt auch mal nach der operierten Nase schauen muss. Das machen wir nun in Ruhe, gehen zur Kontrolle und sicherheitshalber auch nochmal zum Kardiologen. Und dann hoffen wir, dass das zügig gut wird und wir neue Ziele ins Auge fassen können…. Ein paar Bilder hat’s auch noch gereicht, die seht Ihr hier.