Arrivederci und Buenos días

Wie sagt man so schön, wir haben unsere Träume wahr gemacht. Und als wir Euch spaßeshalber im letzen Bericht von der Sonne und dem Bootsausflug schrieben, hatten wir das tatsächlich noch nicht geplant! trapani2Die Luftfeuchtigkeitsanzeige im Trolli geht seit Wochen kaum mehr unter 80%. Die vergangene Woche lag sie meist bei 85-90%. Das hat uns nun endgültig gereicht. Rahmen von Tür und Kofferraum sind jeden Morgen tropfnass. trapani1Laut Wetterfrosch gibt es Aussicht auf Sonne, aber wohl auch nur kurz. Wir glauben nichts mehr und fahren nach kurzer, abendlicher, nicht abgeschlossener und morgens wieder aufgenommener Diskussion gegen 11 Uhr los. Viel Müll auf den umliegenden Straßen, als wir Palermo passieren. Gemischtes Wetter begleitet uns durch die schöne und abwechslungsreiche Landschaft Nordsiziliens. Gegen halb vier kommen wir auf dem Festland an, nachdem wir in Messina nicht sehr lange warten mussten. Der Regen nimmt zu, wir fahren bis Lamezia Terme, gehen aber nicht mehr in die Therme. Wir sind zu müde, und inzwischen gießt es heftig. Der dortige Stellplatz ist sehr wasserbestanden, wir weichen auf einen öffentlichen Parkplatz aus.  Nächster Tag, weiter geht’s um 8 Uhr. Die Fahrt läuft trotz bergiger und Baustellen-Strecke zwischen Salerno und Padula gut, allerdings entkommen wir nur knapp dem Schnee. Er reicht bis auf den Randstreifen. Die obligatorischen Schneeketten, die seit Kilometern angeschrieben sind, können wir nicht bieten. Das Thermometer fällt und fällt, bei 2 Grad ist schließlich Schluss. Ok, das schaffen wir.
Und weil es gut läuft, fahren wir bis Ladispoli nördlich von Rom, haben nun in zwei Tagen 1.070 km runtergerissen. Unterwegs haben wir per SMS Kontakt mit Rosi und Norbert, die auch mit dem Gedanken spielen, aufs Festland auszuweichen. Dann ein Tag Pause und das im Sonnenschein. Der war uns so intensiv etwas fremd geworden. Und dann geht’s noch ein paar Kilometer weiter, Trolli nahe am Hafen von Civitavecchia geparkt und Zeit totgeschlagen, bis wir abends schließlich unser vor zwei Tagen online gebuchtes Ticket am Hafen einlösen. Dann dauert es ewig, bis wir endlich auf die Fähre können.

faehreWir stehen vorne in der Schlange als zweites WoMo von zwei WoMos, dann einige wenige Pkw, sonst alles Lkw. Als die ersten Pkw (schätzungsweise Nordafrikaner mit vollgepackten Fahrzeugen) losdürfen und gleich um die Ecke von der Polizei rausgezogen werden, grinsen wir, sind aber eine Kurve weiter selbst dran. Das hat man davon, wenn man Fähre fährt. Wir wissen nicht, was der in zivil gekleidete Polizist alles abgefragt und notiert hat, sehen es nur aus einigen Metern Entfernung und bekommen unsere Papiere erst nach einer geschlagenen Viertelstunde wieder. Inzwischen möchte ein anderer noch unser Fahrzeug kontrollieren. Klar, macht sich auch nicht gut, wenn man da Nein sagt. Dafür fragen wir nach dem Grund. Offenbar werden hier immer wieder Menschen geschmuggelt. Wir fahren nach Barcelona, um das auch endlich mal zu sagen, da kommt es laut Beamtem immer mal wieder vor, dass man einen Flüchtling z.B. im Camper versteckt, von Spanien ist es dann einfacher, in andere EU-Länder zu kommen, weil wohl nicht so streng kontrolliert wird, da Italien/Österreich der übliche Weg ist.
Interessant, wir dürfen dann also auch noch in die große Garage fahren. Wir fahren reichlich verspätet los, können in den Pullman-Sitzen kaum schlafen, da ist ja jeder Flugzeug und IC-Sitz dreimal bequemer. In der Früh schaut Claudi, die eh kaum schlafen kann, auf das Deck zum Sonnenaufgang, der aber verdeckt ist. morgensWir sind 
gerade bei Korsika/Sardinien. Nach einem kleinen Frühstück geben 9 Uhr wird es dann ziemlich ungemütlich. Wir haben heftigen Seegang, die Geschwindigkeit wird gedrosselt. Eingeholte Zeit geht futsch, die Ankunftszeit verschiebt sich wegen der meteorologischen Umstände um gut 1 1/4 Stunden. Und dann werden fleißig Spucktüten gefüllt, der Wettbewerb um das bleicheste Gesicht beginnt. Von den spanischen Schülern, die mitfahren, haben einige Mädchen da besonders gute Karten. Alle Geländer im Schiff, an denen man entlang kommt, sind mit (leeren) Tütchen dekoriert. Auch uns ist nicht wohl. Abhilfe schafft, nicht herumzulaufen, dafür immer fleißig zum Fenster hinauszuschauen. Das wird nach 5 Stunden aber wirklich anstrengend. Martin kann es besser und döst sogar ein bisschen. Claudi fallen nach stundenlangem Kampf die Augen immer wieder zu, um beim nächsten großen Schlenker wieder aufgehen zu müssen…

Dann so ab ca. 16 Uhr wird die See endlich ruhiger. Wir haben uns nicht getraut, etwas zu essen oder zu trinken, entsprechend ausgetrocknet sind wir nun. Aber jetzt können wir das nachholen, es bleibt ruhig. Appetit haben wir allerdings erst mal nicht. Aber wir sind einfach nur froh, dass wir uns wieder bewegen können. Die Stimmung auf dem Schiff, vor allem unter den spanischen Schülern, wird zusehends lebhafter.
Es dauert noch bis 20 Uhr, bis die Fähre endlich an ihrer Mole im barcelonesischen Hafen anlegt. In der Garage, wo wir auf unserem Deck als eine der ersten einparkten, müssen wir uns krass zwischen den riesigen Lkw durchquetschen. Nur seitlich vorwärtskommend schaffen wir es mühsam in unser hinteres Eck, das Martin zielsicher ansteuert. Claudi hätte das Autole nicht mehr gefunden, hätte warten müssen, bis alle rausgefahren sind. Außerdem riecht es ordentlich nach Fisch, der Boden ist nass und glitschig, also hier standen wohl die Kühllaster. ankunft
Es geht los, auch wir kommen endlich dran. Gerade reihen wir uns ein, um die Rampe runterzufahren, da tut es einen irrsinnigen Schlag, wie eine Explosion. Ganz nah bei uns, hat sich nach geplatztem Reifen angehört, in diesem Fährschiff hallt das an den metallenen Wänden stark wider. Hm, unser Autole steht noch. Wir sind dran, also keine Kontrolle mehr, der Rauswinker wird schon was sagen, wenn er bei uns einen Defekt sieht…
In so einem Moment hört man dann ja alle möglichen Geräusche, die einen glauben lassen, dass das vielleicht doch bei einem selbst war. Es könnte natürlich ein innerer Zwillingsreifen gewesen sein, das sieht man ja nicht gleich, der andere Zwilling hält das erst mal. Wir fahren die wenigen Kilometer auf der Stadtautobahn zum Stellplatz. Viel Verkehr, es ist dunkel, wir müssen aufpassen, dass wir die richtigen Abzweige nehmen. Auf Cindy, unser Navi, ist auch hier wieder, wie zu 99 %, Verlass. Kein schöner Platz, aber sicher, hohe Mauern drumrum, videoüberwacht, Toiletten, Duschen, Aufenthaltsraum und freundlicher Empfang. Wir sind so froh, nach dieser Tortour nun endlich da zu sein. Um’s Eck gehen wir in einem sicher nicht tollen, aber von total freundlichen Asiaten, betriebenen Imbiss mit Sitzplätzen was futtern. Das Bier schmeckt köstlich, dann heim und in die Heia.
Das war’s für heute. Barcelona ist dann im nächsten Bericht mit dabei. Das erkunden wir jetzt ein bissel. Dank der nur 200 m entfernten Metrostation sind wir total mobil. Bis bald.