Alles richtig gemacht…

Wir streifen einige Tage durch Barcelona. Wenn alle eine Stadt toll finden, wird man gerne auch mal skeptisch. Aber Barcelona hält, was es verspricht. Die Mischung aus alter und neuer Architektur, Gastronomie, Strand, Parks etc. ist einfach super. BarcelonaVom Parque Güell haben wir eine tolle Aussicht auf die uns zu Füßen liegende Stadt. Das Museum Gaudí dort müssen wir nicht besucht haben. Der Architekt und Künstler hat sich so vielfältig in der Stadt verewigt. Auch die berühmte Sagrada Familia schauen wir nur von außen an, der Andrang ist uns zu groß. Wir ziehen es vor, kreuz und quer durch die Stadt zu laufen, den kleinen Platz mit den alternativen Häusern und Cafés zu entdecken, dem herrlich singenden Alten mit seinen Freunden vor der Kneipe zu lauschen und uns wieder einmal die Feinheiten der spanischen Kaffeespezialitäten erklären zu lassen, hier zudem noch auf catalán. Bis auf einen halben Nachmittag Regen genießen wir endlich wieder die Sonne und die trockene Luft, herrlich.

Genug Stadt gesehen, das ist auch ganz schön anstrengend. Also reisen wir weiter Richtung Süden. Ein paar Kilometer hinter Valencia machen wir nochmals Halt. Allerdings erst, als wir die Ratschläge unseres Navi nicht mehr befolgen und nicht weiter den erdigen Weg mit engen Kurven, Abbiegungen an Mauern entlang fahren, sondern umdrehen und auf Martin’s Vorschlag durch den kleinen Ort an den Stellplatz gelangen. Wir bleiben auf dem Parkplatz, innen stehen sie dicht an dicht. Alles ganz neu gerichtet, Strom, Wasser in Reichweite, netter Empfang, alles prima und das für 6.- EUR hinter der Düne direkt am Strand. Die Camper wissen, was das in Spanien an der Küste heißt…
Einen morgendlichen Strandspaziergang gönnen wir uns noch, wollen dann aber diesen doch auch sehr von Dauercampern bzw. Überwinterern geprägten Platz verlassen. Trotz Autobahn wird es ein wunderschöner Fahrtag. Endlich sehen wir die in Sizilien verpasste Mandelblüte. Auf dem Weg von Valencia nach Westen in die Berge reiht sich Baum an Baum, immer wieder unterbrochen von unzähligen Weinanbauflächen auf der rotbraunen Erde. Und dann landen wir mal gefühlt wieder mal am Ende der Welt. Das letzte Stück zum Kiko Park Rural ist eine kurvige und steile Abfahrt. Ein gepflegter Platz empfängt uns bei knapp 20 Grad auf 800 m Höhe. Und am Montag, als die spanischen Wochenendcamper den Abflug gemacht haben, genießen wir die unendliche Ruhe hier. RioZum Glück, muss man ja doch sagen, waren einige Leute mehr am Wochenende da. Denn nur der Spanierin ist es zu verdanken, dass Claudi nicht noch länger im Bad eingesperrt war. Bei einem kleinen Rundgang fiel die Tür zu, wie eine Tür eben so zufällt, ließ sich dann aber partout nicht mehr öffnen. Claudi gibt, kurz bevor die Klinke abzubrechen droht, auf, da geht gar nichts. Nach einigen Minuten hört endlich jemand das Rufen und Klopfen. Besagte Spanierin holt den Chef, auch der bekommt die Tür nicht auf, ist aber flugs bei seinem Werkzeug, schraubt die Schließblende ab. Auch so kann er die Falle (das ist das Ding, das beim Klinke drücken rein und raus geht) nicht bewegen. Man merkt, dass es ihm sehr unangenehm ist, dass einer seiner Gäste eingesperrt ist, bin gleich soweit, kleinen Moment noch…. Dann nimmt er den Schraubendreher und hebelt kurzerhand die Falle mit Gewalt aus dem Rahmen. Nur so bekommt er in Kürze die Tür auf. Claudi wird von ihm, der Spanierin mit ihrer Tochter und deren Mann, der sich inzwischen dazugesellt hat, empfangen. Der jefe entschuldigt sich x-mal. Claudi entschuldigt sich, dass jetzt leider die Tür kaputt ist. Das macht natürlich nichts, Hauptsache, sie sei befreit. Die spanische Familie wohnt in unserer Reihe am Anfang, weshalb wir uns nun kennen und ständig angrinsen, wenn wir uns sehen.
Gleich hinter dem Platz können wir den aufgestauten Río Cabriel sehen, eingerahmt von Wald und Gestein, das von beige bis rotbraun wechselt. Je nach Sonneneinstrahlung schimmert der ‚See‘ von blau bis grün. Und Ihr glaubt es nicht, tagsüber ist es fast zu warm. Das Thermometer klettert innert dieser Tage auf bis zu 24 Grad, wärmer als an der überfüllten Küste. Und auf dem Platz immer wieder nur ein paar Durchreisende, wir beglückwünschen uns und unsere englischen Nachbarn immer, wenn wir den Platz wieder für uns haben 😉 . Selbst der AVE Alta Velocidad Española, der spanische Hochgeschwindigkeitszug, der seit ein paar Jahren hier fährt, stört nicht. Kaum ist er aus dem Tunnel raus, verschwindet er auch schon wieder dort. Mit diesem Ausbau der AVE-Trassen wurde auch viel Geld versenkt. Die Investitionen sind weit davon entfernt, erwirtschaftet zu werden. Den aktuellen Stand kennen wir nicht genau, bis vor wenigen Jahren lagen die Fahrgastzahlen zum Teil bei nicht mal einem Prozent der erwarteteten. Trotzdem wird weiter gebaut. Allerdings, wenn Spanien, wie sichtbar, der Krise entschlüpft, ist das sicher keine schlechte Investition. Das Land muss erschlossen sein für Geschäftsleute und Touristen. Und daran wird fleißig gearbeitet, auch im Straßenbau.
Zwei schöne Ausflüge können wir direkt vom Platz aus unternehmen. Natur pur, Ruhe, Bewegung, wenn das Restaurant geöffnet ist, die leckeren patatas bravas und ganz viel Sonne. Wir genießen die knappe Woche dort sehr und erholen uns jetzt erst richtig von der Regenzeit.


WindmuehleDann geht es endlich, endlich, weil wir es bereits 2013/14 verpasst haben, nach Kastilien-La Mancha. Vor allem Claudi möchte in die Gegend mit den Windmühlen. Die ist dann etwas anders, als wir uns das vorgestellt haben. Nicht einfach überall im Land verteilt Windmühlen. Man muss die Ecken, wo die alten bzw. renovierten Stücke stehen, schon gezielt aufsuchen. Aber trotzdem ist das total schön. Wie sie da vom Hügel ins Tal schauen. Einzig fehlt, dass sie noch arbeiten, das tun sie leider gar nicht mehr. Aber unterwegs begegnen uns dann in der Windmühlengegend doch noch einige Exemplare, die wir nicht angesteuert haben, umso mehr freuen wir uns. Am Fuß der Mühlen in Consuegra essen wir typisch manchegisch. Das war wirklich gut, allerdings glauben wir, dass es nicht typisch manchegisch ist, was der spitzbübische Wirt seinen Gästen abknöpft. Lecker, aber deutlich überteuert!


Es zieht uns noch immer nicht an die Küste. Hier im Hinterland und den Bergen ist es so schön, das haben wir bei der letzten Spaniendurchfahrt alles verpasst, nichts dergleichen gesehen. Da waren wir auch stark entlang der Städte unterwegs. Umso mehr freuen wir uns, dass wir jetzt das hier sooo schöne Spanien entdecken und dass hier gerade noch richtig wenig los ist. Och, und dann landen wir gleich wieder an einem lauschigen Plätzchen, wirklich wunderhübsch. Die Lagunas de Ruidera sind UNESCO Biosphärenreservat und bestehen aus einigen kleinen und mittelgroßen Seen, die teilweise ineinander fließen. Kristallklares Wasser, von der Sonne smaragdgrün gefärbt, kleine Kaskaden, wenn ein See in den anderen fließt. Auch hier muss man das Wochenende meiden. Klar, wer möchte diese kurze Erholung nicht in so schöner Natur genießen. Trotzdem freuen wir uns wieder auf den Montag, wo wir die Natur so richtig für uns haben und vor allem wieder Ruhe eingekehrt ist. Es war auch nicht allzu lärmig, aber der Verkehr, der an den Lagunen entlang geht, stört schon. Das, so finden wir, müssten sie in einem Reservat besser regeln und deutlich einschränken. Sehr schade sonst und unangenehm für Natur und Tiere. Im Sommer muss hier der Teufel los sein. Aber wenn Ihr in der Mancha seid, dann besucht die Lagunas, es lohnt sich!Lagunas
Die Nächte sind hier in der Höhe (wir tummeln uns immer noch um die 800 m) empfindlich kühl. Das Wetter soll etwas umschlagen, weshalb wir uns für den Weg gen Süden entscheiden.
In Baeza ist der Stellplatz am Plaza de Torros noch abgesperrt, es war Markt. Wir weichen an den Busbahnhof aus, verspern kurz, hauen dann schnell ab, als zu viele LKWs dort hin und her fahren. Bei der alten Arena ist nun auch frei. Leise wie beschrieben ist es gar nicht. Der Weg durch den Parkplatz scheint DIE Abkürzung des Stadtteils zu sein. Kurz vor Mitternacht endet der Verkehr, dafür wird nun noch schnell der Müll geleert. Uiuiui, echt was los hier. Eigentlich wollten wir am nächsten Morgen den kleinen hübschen Ort wenigstens kurz anschauen. Aber Martin’s wirklich wüst offene Naturparkblase lässt das gar nicht zu. Es hat ohnehin nur acht Grad und ist zugig, also weiter. Wir werden noch andere hübsche Städtchen treffen.
Schließlich landen wir kurz vor Marbella auf einem einfachen Platz, der aber wenigstens nicht so proppevoll ist wie all die anderen. Wir installieren uns, haben leider den Regen mitgebracht, was nach drei Wochen aber auch zulässig ist. Den warten wir ab, dann beginnen wir mit unseren Unternehmungen. Natürlich besuchen wir Ute und Peter, die aber erst die Tage von einer arbeitsintensiven Stuttgart-Woche zurückkommen.
Heute erwartet Euch eine schöne Mischung aus Stadt und Natur bei den Bildern.

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