Lagunenstadt und Heimaturlaub

Der letzte geöffnete Platz am Gardasee ist recht voll. Und am Wochenende kommen noch viele Italiener und machen Kurzurlaub in den Bungalows. Mit lautem Gequake werden die Italiener ihrem Ruf gerecht. Zudem ist in dieser Zeit Halloween, sogar die Bungalows sind entsprechend dekoriert. Auf den Kreuzen (siehe Bilder) stehen die Namen der Bewohner.
Ach, ist der Montag wieder friedlich…. schilf
Wir können unsere Stadtbesuche und Einkäufe zu Fuß erledigen. So bekommen wir unser Laufpensum zusammen. Auch das Wetter macht mit. Wieder morgens und abends kühl, aber tagsüber schön sonnig. Die Tage plätschern dahin, es wird kühler und regnerischer. Zu einem der Duschhäuschen muss man inzwischen durch einen kleinen See waten, auch die Stellplätze werden immer matschiger. Unsere englischen Nachbarn ziehen sogar einen Tag vor Abfahrt noch um, damit sie alles einigermaßen putzen und trocknen können. Ja, auch hier schließt nun der Platz, wir müssen weiter.
Kurze 120 km bringen uns

nach Venedig, genauer nach Mestre. Außer uns steht dort derzeit nur noch ein Wohnmobil. Wärmer ist es natürlich nicht, aber wir sind froh, den Wassermengen in anderen Regionen Italiens, von denen in allen Nachrichten zu hören ist, hier zu entkommen. Hie und da schaut die Sonne heraus, schön genug, um der Lagunenstadt einen Besuch abstatten zu können. 15 Minuten bis zum Bus, dann weitere gut 15 Minuten, und wir erreichen nach der Fahrt über die Brücke den Piazzale Roma. Zuerst gehen wir zum Bahnhof, weil für in ein paar Tagen nämlich ein Ticket in der Tasche haben und uns bereits orientieren wollen. Dazu später mehr.  Dann geht es weiter, wie in Venedig gar nicht anders möglich, kreuz und quer. Das ist schon irre, wie viele Brücken man hier quert, wie viele Gassen sich ineinander schlingen und wie selbstverständlich die Einheimischen durch kleinste Durchgänge schlüpfen, um zum Ziel zu kommen. Klar, die kennen das. Trotzdem ist es faszinierend, dem Treiben hier zuzuschauen. Es sind noch deutlich mehr Touristen als wir uns vorgestellt haben. Immerhin ist es fast schon Mitte November. Aber man kann den vollen Gassen und Plätzen doch immer wieder durch nur zwei Abbiegungen entrinnen. Eine Gasse nach rechts, um die Ecke, über die Brücke, schwupp, weg von den Touristenecken hin zur echten Stadt. Und um jede dritte Ecke oder nach jeder vierten Brücke öffnet sich wieder ein kleiner oder auch größerer Platz. Erstaunlich, auf der Karte sieht das alles nicht groß aus, trotzdem ist hier so viel ‚Stadt untergebracht‘. Weil es noch ein paar Pfützen gibt, sind die Einheimischen in Gummistiefeln unterwegs. Gummistiefel Man braucht sie gerade nicht wirklich, aber so muss man gar nicht darauf achten, ob mal noch Wasser irgendwo steht. Total beknackt hingegen finden wir die vor allem für Touristen im Angebot stehenden Schuhkondome in allen möglichen Farben. Und ohne Unterlass begegnen uns den ganzen Tag Menschen, die dieses Angebot angenommen haben.
Auf dem Heimweg trinken wir noch in der von einheimischen Rentnern bevölkerten Bar einen Aperol Spritz. Auch wir dachten bisher, das sei vor allem bei uns ein Modegetränk, auch unter dem Motto ‚Ich mach‘ da mal einen auf südländisch.‘. Nein, nein, wir sehen schon die ganze Zeit gerade auch Einheimische, ob jung, ob alt, die den Spritz nur zu gerne trinken. Und hier in unserer Bar wird er richtig gut gemacht. Klar, ob sofort wird hier auf dem Heimweg immer ein Spritz getrunken. Schon weil wir uns freuen, wiedererkannt zu werden und so ein Gefühl von einstweiligem Zuhause zu haben und jedes Mal die Ladenchefin von gegenüber entweder gerade ihren Spritz holt oder das Glas zurück bringt. Im Gegensatz zu anderen Lokalitäten hat der Gute auch vernünftige Preise. Nicht wie das zwar sehr schnuckelige Lokal irgendwo im Gassengewirr, das für die primi piati, von denen man sonst durchaus satt wird, nur hier nicht, stinkeviel Geld nimmt. Aber in so einer Stadt muss man damit leben.
Alles in allem hatten wir schöne Tage in Venedig. Das Städtchen ist einen Besuch absolut wert. Zu einladend sind die Gassen, Brücken und Kanäle samt allem Wirtschaftskreislauf auf dem Wasser (wir haben das erste Mal in unserem Leben ein DHL-Boot gesehen).
So, dann ist Samstag. Wir müssen packen. Spät abends erwartet uns in Venedig Santa Lucia das Abteil des Nachtzuges nach München. Wir haben eine Verabredung in Deutschland. Ne, stimmt so nicht, in Österreich, genauer im Bregenzer Wald. Schon letztes Jahr haben wir das Treffen mit aktiven und nicht mehr aktiven Allianz Vertretern/Mitarbeitern auf der Skihütte des Langenargener Skiclubs verpasst. Die Jungs und Mädels kommen hauptsächlich aus dem Bodenseeraum, gehörten ganz früher alle mal zur Filialdirektion (FD) Konstanz, im Haus gerne auch FD Freizeit genannt. Martin war vor einigen Jahren das erste Mal und alleine dabei. Claudi durfte und konnte beim nächsten Mal auch mit. Seither sind wir mit von der Partie und haben einmal im Jahr von Donnerstag bis Sonntag ein wirklich schönes Gemeinschaftserlebnis. Diskussionen, Erzählungen, auch mal deutliche Worte, alles, wie es sich gehört, auf schwäbisch bzw. oberschwäbisch, letztlich immer herzlich und freundschaftlich. Donnerstags beginnt ein kleinerer Kreis, und es gibt traditionell Kässpätzle von Hansjörg. Freitags kommen teils Frauen und Kinder mit dazu, dann sind wir vollständig. Frühstücken gemeinsam im großen Aufenthalts-/Speiseraum, gehen ins Dorf, kaufen ein, weil es immer mal knapp werden könnte…., spazieren, samstags raus den Weg in den Bergen zu Christl’s Hütte, Hauswurst essen. Nun ja, also die Hütte ist etwas Besonderes, und wir wollten unbedingt wieder dabei sein. Nicht, dass wir sonst noch wegen zu langer Abwesenheit zwangsausgeschlossen werden 😉
Zurück zum Zug. Das hört sich toll an, CNL, City Night Line. Ist aber stinknormal und vor allem sardinenbüchseneng. Der Zug fährt auf die Minute pünktlich los. Martin kann gegen später einigermaßen schlafen, Claudi so gut wie gar nicht. In diesem oberen Stockbett zumindest rutscht man bei jeder kleinsten Neigung des Zuges nach oben oder unten, nach rechts oder links. Auf der Seite liegend muss man regelrecht gegenhalten, damit man bleibt, wo man ist. Nicht an Schlaf zu denken beim italienischen Schienenzustand und Streckenverlauf. Wenn dann mal ein längerer Halt kommt wie in Villach, könnte man durchaus eindösen, wenn…., ja wenn dann nicht die Waggons nach Ungarn angekoppelt würden. Zzzzzzzzzzzzzzzzzzz….. RUMMSBUMMSKRAWENG, aus, wieder hellwach. Egal, schließlich kommen wir leicht verknautscht in der Früh in München an und erreichen problemlos unseren Anschluss nach Stuttgart. Dort gleich ab in’s Häusle, wir haben wieder bei Ute und Peter, die gerade in Spanien sind (trotzdem haben sie auch aus der Ferne genug Arbeit mit der Alten Wache), um Asyl gebeten. Schlüssel bei der lieben Nachbarin Anja (Grüße!) holen, italienische Espressomaschine an, Dusche und weiter geht’s. Jenny und Christoph, die einzigen, die außer Ute und Peter Bescheid wissen, holen uns ab. Und bringen (oh, toll) alle Zutaten für das geheime Frühstück im Cassiopeia mit. Als erstes wird natürlich Jenny’s Bauch begutachtet und angefummelt. Ihr und Urmel geht’s gut. Das ist wichtig!
Dann frühstücken wir gemütlich mit den Kindern, spazieren mit Jenny und Christoph am Neckar entlang und sind noch eine Weile im Cassio. Nachmittags geht’s noch zu Muttern. Auch die weiß nichts und freut sich über den unerwarteten Besuch doch sehr. Montag bis Mittwoch sind wir dann gut verplant mit Kindern, Gaby und Mimi und dem ein oder anderen Einkauf (wenn wir schon mal da sind). viet An einem der Tage essen wir gut beim Noodle1, Vietnamese am Wilhelmsplatz in Stuttgart, klein, gut, empfehlenswert. Achtung, die Chilis sind mörderscharf, ein klitzekleiner Biss treibt Claudi wüst die Tränen in die Augen und lässt die Nase laufen.
Am Donnerstag geht’s dann mit dem Zug nach Ravensburg, wo uns Hansjörg und Hugo direkt am Gleis abholen. Aber hallo, cooler Service. Ratzfatz sind wir auf der Hütte, auch dank Hugo’s gewöhnungsbedüftigen, flotten Fahrstils. Der wird unter sechs Augen später nochmals besprochen (wir denken da an die Rückfahrt am Sonntag…)
Ja, und dann haben wir ein tolles und freudiges Wiedersehen mit unseren Hüttenfreunden und sehr schöne Tage mit weniger Schlaf als sonst, aber wir können uns ja bald wieder ausruhen….
Cora und Mika, zwei der Kinder von Petra und Hansjörg machen uns den Abschied dieses Jahr besonders schwer und wollen uns nicht gehen lassen. Bis wir dann die Treppen unten am Parkplatz sind, winken sie uns auf den Fenstersimsen sitzend nach, dann noch von der Terrasse. Wir winken feste zurück, Martin macht noch einen Hampelmann, Claudi das Aufziehmännchen, dem niemand die Batterie ausstellt, dann sind wir weg,,,,,
Unsere Rückfahrt nach Ravensburg wird dann tatsächlich so etwas wie ein Genuss und Hugo ist fürs kommende Jahr gebucht.
Mit dem montäglichen Nachtzug reisen wir zurück. Wir fahren ein wenig früher nach München, weil wir nicht umhin konnten, in unserer Stammbuchhandlung in Gilching doch wieder einige Bücher zu bestellen. Bei der Fahrscheinkontrolle werden wir gefragt, wo wir hinmöchten. Na, nach München natürlich. Und warum mit diesem Zug? Ihr Zug fährt erst heute Abend. Äh, ja, schon, aber wir sind zeitiger dran als ursprünglich geplant. Egal, das ist ein Ticket mit Zugbindung. Genau das haben wir zwar nachgeschaut, aber den pupskleinen (also wirklich ganz klein geschriebenen) Hinweis ‚für DB nur gültig für Tag, Uhrzeit‘ oder so ähnlich haben wir nicht gesehen. Zumal auf dem Ticket weiter unten und viel größer noch eine Gesamtgültigkeit bis zwei Tage über unser Rückreisedatum hinaus steht. Es geht ein bisschen hin und her. Natürlich geben wir dem Kontrolleur Recht, er kenne sich ja schließlich – im Gegensatz zu uns – aus. Wir erklären nur freundlich, wie es dazu kam. Er überlegt sich noch etwas, eigentlich müsste er nochmals den ICE-Fahrpreis kassieren. Er läuft noch mehrmals durch unseren Waggon, behelligt uns aber nicht mehr und lässt es gut sein. Claudi sieht ihn nach dem Ausstieg, spricht ihn nochmals an und bedankt sich. Och, alles kein Problem, war doch nur ein kleiner Hinweis. Machen Sie’s gut, man sieht sich. Naja, so klein war der Hinweis nicht, trotzdem hätte er Recht gehabt und wir einen leereren Geldbeutel, wenn er hätte wollen. Dann geht’s Bücher holen, noch etwas futtern und wieder in den Nachtzug. Diese Runde schläft Claudi einigermaßen gut (oben!), Martin dafür fast gar nicht.
Für’s Frühstück haben wir uns bereits vor Abreise eine Bar zwischen Bahnhof und Busbahnhof rausgesucht, die früh öffnet. Es ist kühl, aber trocken, und die Sonne scheint, als wir aus dem Bahnhofsgebäude Venedigs’s treten. Schön war unser Ausflug, trotzdem entschleicht uns auch ein wohliger Seufzer, wieder ‚zu Hause‘ zu sein. Lustig.
Leider wird das Wetter grauer und wir können uns nicht wie geplant vom Städtle und unserer Bar verabschieden. Wir wollen weiter, auch in wärmere Gefilde. Im Hauruck fahren wir mit einem Halt in einem kleinen Dorf in den Hügeln der Marken, zwischen Wohnungen und Sportplatz stehend, nach Manfredonia in Apulien. 740 km weiter südlich. Oh, mollig, da hat’s doch gleich mal locker fünf Grad mehr als in Venezia. Unser kleiner, schlichter Platz liegt am Meer. Zwei nette italienische Männer mittleren Alters, die dauernd irgendetwas werkeln oder bauen oder putzen, betreiben den Platz. Hier wollen wir etwas zur Ruhe kommen. Der Platz liegt recht abseits von überall, und weil wir nun einige Ausflüge zu schönen Eckchen und tollen Sehenswürdigkeiten machen wollen, machen wir uns nach eineinhalb Jahren endlich daran, den Trolli mal abzustellen, also das Wohn vom Mobil zu trennen. Bewusst nehmen wir uns dafür Zeit. Martin hat schon unterwegs immer wieder die vier Schrauben, die das Gefährt zusammenhält, zwar geölt etc., aber alles ziehen und ruckeln und Kraft aufwenden hilft nicht weiter. Die sind bockelfest. Wir sprühen sie ein und warten. Auch dann erst nischd. Nur mit viel Geduld und stetigem Druck und Druck und Druck bekommen wir sie langsam auf. Hinten wird’s noch viel schwieriger, weil wir wegen der Konstruktion fast keinen Hebel haben. Aber auch hier…..in der Ruhe liegt die Kraft….ruckelt’s irgendwann. trolli Dann alle Stecker (Strom Karossierie zu Aufbau und Rückfahrkamera) lösen, Verbindungs-schrauben Tür Führerhaus/Aufbau lösen, Fahrzeug hochkurbeln, immer schön abwechselnd hinten und vorne, damit die Belastung verteilt bleibt, Treppe aushaken und nach vorne kippen. Und dann mit feuchten Händen gaaaaanz langsam rausfahren. Aaaaaah, es hat geklappt, sieht ja cool aus.
Was wir dann so alles getrieben haben, erzählen wir beim nächsten Mal. Jetzt darf, wer mag, noch Bilder anschauen.

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