Um den Atlas in die Königsstädte und zurück in unsere schöne Wüste

Und schon haben wir die nächste Verabredung. Sie führt uns Richtung Norden. Aber hinter Marrakech wollen wir erst mal unseren armen Trolli vom Dreck befreien. Die erste von uns angefahrene Tankstelle mit Waschanlage ist nicht besetzt. Der Hüter von Restauarnt, Tanke und Waschanlage erzählt, dass heute Souk im Nachbardorf ist, keiner da, um das Auto zu waschen. Kurzerhand ergibt sich auf die Frage, seit wann wir hier sind und ob es uns gefällt, ein Gespräch über Gastfreundlichkeit und Islam. Der Marokkaner sagt, hier in Marokko, das ist der richtige Islam. Nicht in Syrien und anderswo. Hier leben wir alle zusammen, Muslime, Juden und Christen. Es ist egal, welcher Religion du angehörst. Wir Menschen sind alle gleich und respektieren einander, und der Islam lehrt nicht, was die Extremisten von sich geben. Puh, das hört sich schön an, und wir hoffen, dass Marokko diesem Mann weiterhin folgt. Gewaschen wird Trolli dann ein Stück weiter, bei unserer Lieblingstankstelle Afriquia.

Erst feste abgespritzt, er hat ja auch noch viel Sand am Körper aus der Wüste. Es gab keinen Regen, der so fest und intensiv gewesen wäre, dass er alles abgewaschen hätte. Um die hohen Seiten des Trolli dann einzuschäumen, steigt der junge Mann auf ein altes Ölfass, das er geschickt immer ein Stück zur Seite dreht, bis er Trolli umrundet und eingeseift hat. Hui, das ist nicht unser Auto, Trolli reckt und streckt sich, als er im neuen Kleid aus der Waschgarage in die Sonne zurück kommt. Und der Autowäscher lässt es sich nicht nehmen, nach dem Fenster trocken reiben auch noch den Innenraum des Zugfahrzeuges auszuwischen. Mit einem blitzeblanken Autole fahren wir im Sonnenschein gen Norden. Eine Bilderbuchlandschaft begleitet uns an den weiten Ausläufern des Hohen Atlas. Unser Ziel auf halber Strecke nach Meknes ist der Stausee bei Ouaoumana. Das letzte Städtchen vor der Abfahrt zum See bereitet uns aber noch Schwierigkeiten. Als wir um die Kurve steuern, sehen wir, dass die ganze Straße mit schätzungsweise 300 Jugendlichen voll ist. Fahnenschwenkend und Sprüche rufend ziehen sie die Straße entlang. Die beiden einheimischen LKWs vor uns kommen auch nicht durch die Menge. Die, wie wir vermuten, Schüler, sprechen die Fahrer an, klopfen an die Tür, so auch bei uns, als wir uns vorsichtig durch die Menge robben. Wir sind mitten in einer kleinen Demonstration. Jetzt werden auch unsere Türen aufgerissen und wieder zugeknallt, die jungen Menschen sind etwas erhitzt, aber noch freundlich. Wir sollen hupen, Tür auf, Tür zu. Wir hupen und winken freundlich und als beide Türen endlich wieder gleichzeitig zu sind, drücken wir schleunigst die Innenverriegelung. Weiter wird gegen das Fahrzeug geklopft und gejohlt. Direkt vor uns hat ein Jugendlicher einen anderen auf den Schultern, dieser schwenkt eine große marokkanische Flagge. Puh, hier geht ganz schön die Post ab. Was uns beruhigt, ist, dass nicht nur wir, sondern auch die einheimischen Fahrer bedrängt werden. Es ist sehr mühsam, durch die Menge zu kommen. Weiterhin versuchen wir, freundlich zu bleiben. So ganz sicher sind wir nicht, ob diese doch leicht aggressive Stimmung nicht kippen kann. Nach einigen Minuten sind wir durch das Gewühl durch und fahren ziemlich erleichtert weiter. Was war das denn? Wir wissen es nicht. Wir finden im Internet nur Hinweise darauf, dass vor 14 Tagen ein Jugendlicher in Arrest kam, weil er das Bild eines küssendes Paares in Facebook gezeigt hat. Das, öffentliche Zuneigungsbekundungen dieser Art, ist in Marokko verboten wie in anderen islamischen Ländern auch. Kurz darauf erreichen wir die Abfahrt zum Stausee. Laut Reiseführer sei dies eine kurze Piste. Aber hallo, die entpuppt sich als Herausforderung. Das ist kein richtiger Weg, sondern ein offenbar von Fahrzeugen gebahnter Fahrweg. Es geht durch Schlamm, über die Steine des flachen Bergrückens, große Löcher tun sich auf. Ein kleiner Graben ist nur mit schmalen Betonfurten zu überqueren, die sollten wir beim Rüberfahren treffen und nicht abrutschen. Ausgeschwemmte Stücke, der arme Trolli muss sein frisch geputztes Unterteil arg dreckig machen. Das ist uns aber im Moment vollkommen egal, das Schaukeln und Wackeln und teilweise Kratzen auf Fels ist viel nervenaufreibender. 

Schließlich kommen wir auf einem Kiesfeld direkt am Stausee an. Wow, das hat sich gelohnt, es ist wunderschön hier unten. Noch stehen dort 2 Pkws, die auf die Nacht sicher verschwinden. Auch die Kinder des an der Straße oben liegenden Dorfes kommen nicht vorbei. Wir haben den Kiesstrand am Stausee ganz für uns und genießen den einsamen Sonnenuntergang, herrlich.

Am nächsten Morgen empfängt uns Vogelgezwitscher, Entengequake und das seichte Planschen der Seewellen am Ufer. Mit der emporkommenden Sonne wechseln die Farben der Hügel um den See, die schneebedeckten Berge glitzern in der Ferne. Ach, einfach herrlich, bis auf Claudi’s Nervosität ob des bevorstehenden Rückweges zur Straße. Der Weg hinauf klappt dann besser, wir fahren stramm über alle Hindernisse im ersten Gang hinweg. Trolli’s Heckantriebe schiebt uns regelrecht den Berg hinauf. Ein leichtes Schrabben können wir trotzdem wieder nicht vermeiden, aber es geht besser als hinunter. Uff, geschafft, Trolli hat wieder sein Können bewiesen, aber für andere, normale WoMos nicht zu meistern! Weiter geht’s.Und nochmals geraten wir in eine Demonstration von Schülern. Dieses mal allerdings mit Polizeibegleitung, so dass wir schnell durchgelotst werden. Wir wollen die Polizisten fragen, worum es hier eigentlich geht, aber leider kein Wort an uns, nur rasches Durchwinken. Klar, man will entweder nicht, dass wir das erfahren oder ist um unser Wohlergehen besorgt.Die weitere Strecke führt uns durch kurviges Mittelgebirge und über Zedernwälder auf eine kleine Hochebene. Dort vor allem sehen wir statt der üblichen Flachdachbauten typische berberische Hauser mit Giebeldach.Je weiter wir in den Norden vordringen, desto grüner wird es. Nach vielen Wochen Marokko und viel im Osten und Süden sind wir das gar nicht mehr gewohnt. Wir haben viel Wüste und trockene Landschaften gesehen. Nun offenbaren sich Wiesen mit unzähligen Olivenbäumen, wir sind ganz baff vom saftigen Grün, das uns umgibt. Einer unserer schönsten Fahrtage! Ohne weitere Demonstrationen kommen wir in Meknes an. Auch unser einige Kilometer von der Stadt entfernte Campingplatz liegt in einem terrassierten Olivenhain. Kurz nach unserer Ankunft rufen Uschi und Klaus Brauers, frühere Kollegen aus der Allianz, mit denen wir hier verabredet sind, an und lassen uns wissen, dass sie am kommenden Tag eintreffen werden. Wir haben Brauers kurz nach unserem Trolli-Erwerb besucht und Tipps empfangen und uns ausgetauscht. Die beiden fahren bereits seit Jahren mit dem WoMo, vor allem zum Überwintern nach Spanien. Wir waren in losem Kontakt geblieben und wollten uns evtl. in Spanien treffen. Beim nächsten Kontakt im Dezember sind wir dann aber bereits auf dem Weg nach Marokko. Brauers überlegten etwas hin und her, und entschlossen sich schließlich, auch nach Marokko überzusetzen. So haben wir uns für Anfang Februar verabredet. Nun ist es also so weit. Am frühen Nachmittag des nächsten Tages treffen und Uschi und Klaus ein. Nun gibt es natürlich gegenseitig viel zu erzählen. Am kommenden Tag fahren wir mit dem städtischen Bus nach Meknes. Dort sehen wir das berühmteste Tor Marokko’s, den Souk, die sehr saubere Markthalle und einen Teil der Neustadt. Zu berichten ist vor allem noch, dass wir über eine Stunde auf den Bus zurück warten. An der Haltestelle (nicht unsere Ausstiegshaltestelle) ist unsere Busnummer zwar angeschrieben, aber keine 15 lässt sich blicken. Nach wiederholtem Fragen bei diversen Busfahrern erfahren wir endlich, dass die 15 hier gar nicht hält. Wir laufen in die uns gewiesene Richtung. Wir finden kein Haltestellenschild oder ähnliches, sehen aber viele Menschen warten. Also fragen wir, ob hier die 15 fährt. Die gefragten Mädchen bejahen kichernd und amüsieren sich köstlich, dass wir mit dem Bus fahren möchten. Der kommt auch prompt ums Eck und ist bereits recht voll. Ob wir da noch reinpassen? Geduldig stellen wir uns an, werden von den immer noch kichernden Mädchen sogar vorgelassen und passen alle prima in den Bus. Umfallen nicht möglich. Am nächsten Tag besuchen wir zu Fuß das auf dem Berg gelegene Dorf nahe des Platzes. Hier ist es noch sehr ursprünglich. In den üblichen kleinen Läden, wo es Lebensmittel, Gewürze und Souvenirs gibt, werden auch die Hühner zu den Eiern sowie Ziegen und Schafe verkauft. Auch auf dem Rückweg genießen wir ständig den Blick ins Tal auf die vielen Olivenhaine.Dann geht es nur knappe 100 km weiter nach Fes, in die nächste Königsstadt. Schon vor der Stadt werden wir beim Tanken von Mopedfahrern auf Stadtführungen angesprochen, die wir dankend ablehnen. Wir wollen erst einmal ankommen. Das tun wir auch, auf dem Platz wurde viel gebaut, beim Eingang und der neuen Rezeption gibt es schöne kleine Appartments. Hinunter geht’s den Berg neu gepflastert unter die Bäume, dort ist der Campingteil. Auf dem Platz verdingt sich ein Fremdenführer, der uns seriös erscheint. Um einen ersten Überblick zu bekommen und auch einmal etwas erklärt zu bekommen, wo wir doch sonst immer auf eigene Faust losgehen, entscheiden wir uns für den großen, weißhaarigen Herrn in seiner blauen Dschellaba und verabreden uns für den kommende Tag um 9:30 Uhr. Das vom Platz angebotene Taxi ist recht unpünktlich, aber wir haben Zeit und fahren gemütlich in die Stadt. Bereits auf dem Weg erfahren wir einiges über Fes, so auch, dass es hier zwei Medinas gibt, eine aus dem 12. und eine aus dem 14. Jahrhundert. Wir besichtigen heute die alte Medina. 

Noch bevor wir diese erreichen, machen wir Halt an einem Aussichtspunkt, von dem aus wir sehen, wie groß Fes ist. Außerdem werden dort an den am Hang liegenden Mauern die Häute für die Gerberei getrocknet. Ein tolles Bild, die in diversen Brauntönen auf den Mauern und Wiesen über der Stadt liegenden Häute. Und dann geht es mitten rein in das enge Gewimmel in den Gassen zur Medina. Wir besuchen eine homöopathische Apotheke, sehen schöne Innenhöfe und Tore der ehemaligen Universität, heute eine Moschee, sehen Berge von Seide, teils die einheimische Agavenseide, teils aus China importierte Kunstseide. Wer hier einkauft, versucht, mehrere der vielen Händler zu bedenken, damit jeder etwas abbekommt. Höhepunkt unseres Rundganges ist der Besuch der Gerberei. In einem Lederwarengeschäft steigen wir auf die Dachterrasse, von wo wir einen guten Anblick auf die Töpfe, Häute, Gestelle und die ganze Arbeit haben, die uns erklärt wird. Weil es stinken soll, bekommen wir Minzezweige für die Nase, die wir dann aber gar nicht benötigen. Natürlich duftet es nicht, aber da es noch nicht so heiß ist, hält sich die Geruchsbelästigung in Grenzen. Schon interessant und faszinierend, welche und wie viele Arbeitsgänge es gibt, vom Abschaben der Haare, Zuschneiden der Häute, Reinigen der Häute, Auswaschen mit Salz und Kalk, Waschen in einer großen Waschmaschine (ein großes Wasserrad) mit Taubendreck, Färben, Stampfen usw.. Wenn wir denn wollten, könnten wir z.B. eine Lederjacke in Wunschform und -farbe bestellen, in vier Stunden bekämen wir sie gefertigt.Abschließend essen wir in einem kleinen Lokal, nicht herausragend, aber gut. Heimzus müssen wir zwei Taxen nehmen, da die sog. petits taxis nur drei Personen mitnehmen. Uschi und Klaus fahren vor, wir fahren mit unserem guide nach langen Warten hinterher. So schwierig wie in Fes war es noch nicht, ein Taxi zu ergattern. Nicht, dass es nicht genügend gäbe, aber der öffentliche Nahverkehr scheint schlecht, die kleinen Taxen ersetzen diesen und sind meist bereits besetzt.Weil uns diese Führung recht gut gefallen hat, beauftragen wir den Rezeptionisten, uns für den nächsten Tag erneut mit Herrn Dschellabah eine weitere Führung, dieses Mal die neue Medina oder Neu-Fes, zu organisieren. Dies sagt er zu. Als wir dann wie verabredet morgens an der Rezeption warten, stellt sich heraus, dass der Führer nicht informiert wurde, schon belegt ist, uns auch mitnähme, aber großteils in die alte Medina. Das bringt’s ja nicht für uns. Also beschließen wir, alleine loszuziehen. Dafür brauchen wir allerdings ein Taxi, es ist zu weit in die Stadt. Das Taxi vom Platz ist bereits besetzt. Herr Dschellabah sagt uns zu, es werde eines für uns bestellt, das sei in zehn Minuten hier. Prima. Aus zehn Minuten werden 20 und 30 und 40, bis wir endlich an der Rezeption fragen. Jaja, das Taxi kommt in fünf Minuten. Auch das klappt nicht. Inzwischen stehen wir eine Stunde in der Gegend herum. Ein erneuter Anruf beim Taxifahrer verheißt nun die Ankunft desselben. Wie wir dann sehen, ist das gar kein für uns bestelltes, sondern das Taxi vom Platz, das auch noch Touris mit Einkaufstüten ausspuckt. Aha, die waren noch beim großen Supermarkt Marjane auf dem Rückweg einkaufen, deshalb stehen wir seit einer halben Ewigkeit hier herum. Da kommen wir uns doch etwas verarscht vor. Aber ändern können wir es ohnehin nicht, also rein ins Taxi und zum Boulevard Hassan II. Von dort besuchen wir das jüdische Viertel und die alte Synagoge. Wie in anderen Städten, gibt es auch hier nur noch eine kleine jüdische Gemeinde. Die meisten Juden sind nach Europa ausgewandert. Angeblich nicht wegen Verfolgungen, man habe sich immer gut mit den Juden verstanden. Trotzdem finden wir es merkwürdig, dass in allen Städten die jüdischen Gemeinden fast ausgestorben sind. Das Argument, in Europa hätten die Juden Arbeit gesucht, trifft im Prinzip auf ganz Marokko zu, so dass das Land leer sein müsste. Da müssen wir irgendwann mal noch eine andere Quelle nach den Ursachen befragen. Über den Mittleren Atlas und die Ausläufer des Hohen Atlas fahren wir durch die Städte Sefrou, Midelt und Errachidia nach Erfoud. Wir wechseln von der satten Olivenbaumlandschaft über schneebedeckte Berge zur kargen Sand- und Steinwüste, von saftig grün zu trocken braun. Auf 1.800 m kann Martin beim kurzen Halt sogar einige Schneebälle werfen. Der Campingplatzbetreiber in Erfoud, der laut Reiseführer nett und lustig sein soll, entpuppt sich als die reinste Nervensäge. Wir haben noch nicht mal den Motor abgestellt, schon will er uns Kamelritt und 4×4-Ausfahrt andrehen. Er lässt in seinen Bemühungen auch nicht nach, ständig irgendwelche Angebote, grauslig. Wir sagen es schon, wenn wir etwas wollen. Auch die Fahrt in die Stadt soll zum Geschäft werden. Wir wollen nur ein Taxi zum Berg nahe der Stadt und dann zu Fuß weiter. Er bietet uns seinen 4×4 an samt Rundfahrt. Nein, wollen wir nicht, zumBerg und fertig, keine Rundfahrt, nicht weiter in die Stadt, da sind wir dann abhängig vom Fahrer. Nach einiger Diskussion erklärt sich der Fahrer dann zur Fahrt nur zum Berg bereit, will dafür aber unverschämte 200 DH. Ist gleich weit wie in die Stadt, dorthin kostet ein Taxi 20 DH. Klaus verhandelt, es werden 150, dann irgendwann 100. Jetzt sind wir aber ob dieses Abzockversuches eh genervt, lehnen dankend ab und rauschen zum Erstaunen des Chefs und Fahrers zu Fuß davon. So haben wir schon unseren täglichen Spaziergang absolviert. Allzuviel gibt es nicht zu sehen, wir kaufen im Souk ein und ergattern für den Rückweg eines der wenigen Taxen, die hier überhaupt fahren. Es ist ein petit taxi, das nur drei Personen mitnehmen darf, trotzdem lässt der Fahrer uns alle einsteigen. Dass wir am Platz ankommen, ist erstaunlich, denn das Gefährt eiert, quietscht, scheint keine Stoßdämpfer mehr zu haben und scheppert, als falle es jede Sekunde auseinander.Wir wollen Uschi und Klaus die Wüste zeigen und fahren erneut nach Merzouga. Hassan, der Chef des Petit Prince, freut sich sehr, uns so bald schon wiederzusehen. Hui, der kleine Platz ist gestopft voll. Zum Glück sind wir früh dran, es ist erst mittags gegen 12 Uhr. Zwei Plätze hinten am kleinen Zaun direkt zu den Dünen sind noch frei. Der Platz wird aber noch viel voller, Fahrzeuge stehen in Ecken und quer vor den Zimmern, die hier auch vermietet werden. Tja, vor fünf Wochen, als wir das erste Mal hier waren, waren wir fast alleine, nichts los, unendliche Ruhe. Nun schnaken die Franzosen lautstark über den Platz, es ist ein Kommen und Gehen, viel Betrieb. Aber jetzt ist nunmal Saison in Marokko. Den Wüstenausritt, den Uschi und Klaus auf jeden Fall machen wollen, planen wir für den nächsten Tag. Aber fehlgeplant. Ein Sandsturm kommt auf, die Luft ist rotbraun geschwängert, an einen schönen Ausflug mit guter Sicht in den Sonnenuntergang nicht zu denken. Sobald wir unsere Tür öffnen, weht es Sand in den Trolli, nach wenigen Stunden knirscht es überall, in jedem Scharnier, auf dem Boden, in den Zähnen. Faszinierend und scheußlich zugleich. Auch am kommenden Tag weiter nur Sand in der Luft. Wir stehen voll im Wind und ziehen nach Abfahrt zweier Fahrzeuge nach vorne um, damit wir nicht direkt im Sandwind stehen. Das war eine gute Entscheidung. Nun harren wir noch diesen und einen weiteren Tag aus, gehen trotz des Wetters spazieren, leben nur noch mit dem Sand, und werden belohnt. Tags drauf kommt die Sonne wie in der Wettervorschau angekündigt wieder heraus. Keine Wolke am blauen Himmel. Alles hat sich gesetzt, und die Dünen sind schöner als zuvor. Jede Kante hebt sich stärker ab, alles ist sehr kontrastreich. Einfach wunder-, wunderschön! So können wir auch den Ausritt machen. Zuvor gehen wir im Ort noch einkaufen bzw. einen Kaffee trinken. Da fährt ein Einheimischer auf dem Moped an uns vorbei. Wow, der hat ein tolles Tuch zum Turban gebunden. Blau-orange-rot, so tolle Farben haben wir hier noch nirgends gesehen. Erneut fährt er an uns vorbei und hält neben dem Café beim nächsten Laden. Claudi geht zu ihm und fragt, woher er das Tuch hat. Aus dem Laden hier. Den kennen wir, da haben wir Martin’s neues schwarzes Tuch gekauft. Also gehen wir hinein. Da gibt es zwar Tücher, aber nicht in diesen tollen Farben. Der Händler und der Tucheigentümer bieten alle möglichen Tücher an, keine Chance, nur dieses wegen der tollen Farben. Der Mopedfahrer erbarmt sich und bietet Claudi sein Tuch zum Kauf an. Aus Höflichkeit lehnt sie erst mal ab, es sei sein Tuch, das ginge nicht. 

Er beteuert, dass ihm die Farben egal sind, er kann sich ein neues kaufen. Also gut, da macht er auch noch ein kleines Geschäft, weil wir nicht allzu sehr handeln wollen. Juhu, juhu, das Tuch ist unser. Bunt und groß, 1,20 m breit und 5 m lang, eigentlich ein Frauenwickeltuch, typisch Sahara, aber wenn der Merzouganer es als Berberturban trägt, können wir auch alles Mögliche damit anfangen.Und der nachmittägliche Ausflug an diesem schönen Tag lohnt sich dann auch für uns, die das schon kennen. Dieses zweite Mal ist noch schöner als das erste vor fünf Wochen. Gerade im Nachmittagslicht vor Sonnenuntergang beeindruckt die Wüste mit unbeschreiblich schönen Farbspielen in braun, beige, gelb, orange. Wir sind ganz hin und weg und sehr froh, den Ausritt nochmals mitgemacht zu haben. Ein für uns alle unvergesslicher Tag. Auch Uschi und Klaus sagen, dass sich das Warten und Leiden mehr als gelohnt hat. Martin passiert in diesen Tagen noch ein kleines Unglück. Die große Kofferraumklappe ist offen, Claudi kann immer unten durchgehen, Martin nicht. Er kommt – gar nicht so schnell – aus dem Fahrzeug um die Ecke und rammt so was von volle Pulle mit dem Kopf gegen die Kante, dass er nach hinten umfliegt und sich nur knapp den Kopf auch noch an einem großen Stein anschlägt. Autsch, das gibt eine böse Beule an der Stirn. Zum Glück und erstaunlicherweise ist es keine richtig offene Wunde, denn der Unfall hat auf der anderen Seite der Klappe den Türstoßfänger abgerissen, so hat er die Klappe mit dem Kopf aus der Verankerung gehebelt. Nach großem Schreck hatte Martin aber Glück im Unglück, und das Autsch verheilt gut. Die Kofferraumklappe bleibt dadurch mit dem einen verbliebenen Stoßfänger nur noch zur Hälfte oben, dafür braucht man beim Zudrücken nicht mehr so viel Kraft. Den Schaden melden wir gleich bei unserem Hersteller, die Liste für unseren Werkstatttermin wird größer. Denn vor einigen Tagen haben wir bereits so etwas wie einen Kurzschluss in der elektrischen Anlage gehabt, obwohl wir gar nicht am Strom waren. Wie wir dann feststellten, funktioniert der Wechselrichter nicht mehr. Das ist das Gerät, das 12 Volt in 220 Volt umwandelt, so dass wir auch ohne externen Stromanschluss die 220-V-Steckdosen für Computer, Rasierer, Küchengeräte etc. benutzen können. Die Batterien werden weiterhin geladen, ob von externem Strom oder der Solaranlage, aber die Dosen geben nichts mehr ab. Der Rest, die 12-V-Versorgung für TV, USB, Kühlschrank funktioniert, so dass wir dadurch keine Not leiden. Wir reisen weiter auf unserer bekannten Route Richtung Atlas. Dazu mehr im nächsten Bericht. Wir sind etwas aus dem Rhythmus und hinterher, holen aber bald auf. Die Bilderauswahl war dieses Mal besonders schwer, deshalb auch die Wüste separat. Wir hoffen, Ihr seid ‚trotzdem‘ zufrieden.
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