Vom portugiesischen an den spanischen Atlantik

In der Nähe von Lagos machen wir Halt. Das Wetter ist ok, könnte allerdings ein bisschen wärmer sein, zumal eine frische Brise weht. Nach den vielen Tagen Stadt nutzen wir die Zeit zum Faulenzen und Lesen. Außerdem spazieren wir von unserem Camping die knapp 2 km zum Strand Praia da Luz, eine wirklich schöne Bucht umrandet von Felsen. Beim nächsten Spaziergang suchen wir einen Weg abseits der Straße, denn direkt an der Straße gibt es keinen Gehweg, und die Portugiesen kennen da nichts, die rasen munter und knapp an uns vorbei, sehr unangenehm.

Der neue Weg ist toll und führt uns die Hügel hinauf, so dass wir eine tolle Sicht auf die Bucht und den Ort haben. Außerdem gelangen wir so gleich auf das Hochplateau über dem Meer, das wir zu erkunden bereits beim letzten Mal beschlossen haben. Steile Klippen hat die Algarve, das wussten wir gar nicht, und jetzt verstehen wir, was die Leute dort so anzieht. Auf der Weiterfahrt machen wir einen Abstecher an die südwestliche Spitze. Zum Glück, auch dort erwarteten uns steile Felsen und tolle Aussichten. Wieder gen Osten beschließen wir noch einzukaufen. Weil der Trolli gegenüber parken muss, möchten wir das kleine Ziehwägelchen, das bis obenhin voll ist, mit zum Parkplatz nehmen, wir haben nicht ausreichend Taschen dabei und Plastiktüten wollen wir nicht. Eben erst haben wir den Bericht der EU-Kommission zum Thema Reduzierung des Plastiktütenverbrauchs gehört und wollen weiterhin oft unsere Stofftaschen benutzen und den vor allem in Portugal hohen Verbrauch reduzieren helfen 🙂
Das Wägelchen dürfen wir aber nicht mit hinaus nehmen. Claudi versichert der Kassiererin, dass wir es nur zum Transport benötigen und es sofort wiederbringen. Nein! Warum? Das geht nicht. Nein! Was uns daran so ankäst, ist gar nicht nur die Tatsache des unumstößlichen Nein, sondern die tierisch unfreundliche Art der Kassiererin. Also gut, das Band ist voll gepackt, die Schlange hinter uns lang. Wir sagen der guten Frau, dass sie den Kram behalten kann, wir nicht einkaufen und gehen. Jetzt ist sie erst richtig stinkig, was uns aber ehrlich gesagt diebisch freut. Braucht locker 20 Minuten, das alles wieder zurückzuräumen. Ätsch.
Bei Quarteira machen wir noch ein letztes Mal Halt in Portugal. Zum Glück entscheiden wir uns auf dem Camping nicht für den zuerst anvisierten Stellplatz, denn nebenan spielt abends ein Mann mit seinem ferngesteuerten Fluggerät, das blinkt und neonfarben leuchtet und einen Mordslärm macht. Total bekloppt finden wir das. Der Ort ist nicht schön, zum Trost gehen wir lecker Fisch essen. Die Kneipe ist drinnen und draußen gestopft voll, auch mit Einheimischen, das ist ein gutes Zeichen. Wir lungern wie Drogenkuriere schräg gegenüber am Straßenrand herum, um den wohl gleich frei werdenden Tisch vor der Tür zu ergattern. Das klappt auch nach fünf Minuten und wir bestellen, was am Nachbartisch an Fisch noch zu erahnen ist. Es ist schon spätnachmittags, wir sind am Ende unserer Mahlzeit die letzten Gäste. In Portugal wird nicht so spät zu Mittag gegessen wie in Spanien. Allerdings sind die Portugiesen ja auch eine Stunde hinterher. Auf dem Heimweg lassen wir uns beim nahenden Sonnenuntergang noch die Füße vom kühlen Meerwasser umspülen. Schööön.

Nun geht es wieder nach Spanien. Auch hier kommen wir in den Genuss der schönen Kiefernwälder. Von weitem sehen diese Dächer, die die dichten Nadeln, ähnlich gewachsen wie Pinien, bilden aus wie große, weiche, leicht wellige Kissen in sattem Grün. Ein ganz toller Anblick. Unterwegs werden wir auf einmal von der Autobahn abgeleitet, was wir gar nicht verstehen. Spinnt Cindy, unser Navi, wieder? Jain. Wir werden über den direkt folgenden Kreisverkehr gleich wieder auf die Autobahn geschickt, Cindy kannte die neue Brücke noch nicht. Aber wenn’s nur das ist, sind wir zufrieden. Dann fällt uns bei der Rückkehr nach Spanien auf, dass die Portugiesen ihre Brücken, auch und gerade auf den Autobahnen nicht mit Höhenangaben beschriften. Deshalb war im Navi auch selten etwas angezeigt, wobei wir nie Probleme mit der Höhe hatten. Aber jetzt steht da wieder jeder Zentimeter dran, zum Beispiel linke Spur 5,99 m, rechte Spur 5,90 m. Und das Navi kann sich vor Höhenanzeigen gar nicht retten, war demnach eine richtige Erholung in Portugal. Wir steuern geradewegs auf Sevilla zu. Das liegt zwar nicht auf der Strecke nach Süden, aber nach unserem Aufenthalt vor ungefähr 6 Jahren dort wollen wir dem schönen Städtchen mal wieder einen Besuch abstatten. Damals waren wir mit Martin’s Mutter, einer seiner Nichten und den beiden Neffen dort. Wir wollen zuerst östlich der Stadt einen Caravan-Laden ansteuern, der aber leider und wie oft in Spanien, schlecht ausgestattet ist. Was war da doch das Wohnmobilland Frankreich für ein Paradies. Also suchen wir einen Stellplatz. Leider finden wir auch nach fast dreiviertelstündiger Suche den Zugang am Hafen dieses Vorortes, nun westlich der Stadt, nicht. Wir sehen von weiten an der Mole ein WoMo stehen, aber keine Chance. Wir geben die verschiedenen GPS-Daten, die wir in Apps und Büchern haben, ein. Klappt nicht. Offenbar muss man dort vorher anrufen und zusehen, wie und dass einem ein Tor zwischen den vorgelagerten Wohnanlagen geöffnet wird. Das machen wir nicht und steuern den zuvor schon in’s Auge gefassten Platz an. Aber auch da sind die Daten ungenau, wir biegen deshalb im Gewerbegebiet zu früh ab und werden dort freundlich grinsend sogleich zur Umkehr aufgefordert. Allerdings ist es so eng, dass wir mit Trolli kaum wenden können. Der nette Mann dort fährt von einer kleinen Einfahrt extra sein Auto weg, damit wir die Wende besser hinbekommen. Und dann finden wir den Platz auch. Der ist wahrlich nicht schön, aber praktisch, weil stadtnah. Es gibt sogar Toiletten und eine Dusche und WiFi. Wir befinden uns auf dem Gelände einer Firma, die offenbar im großen Stil Pkw speditiert, ein Kommen und Gehen der großen Fahrzeugtransporter, Einparken, Umparken, Ab- und Aufladen ist angesagt.
Unser erster Gang in Sevilla ist, die Frühstückskneipe zu suchen, in der wir beim letzten Besuch mehrfach und lecker gefrühstückt haben. Dabei durchqueren wir einen oder besser gesagt den wunderschönen und riesengroßen Park Sevilla’s, den wir beim letzten Besuch nicht einmal gestreift haben. Wahrscheinlich, weil wir auf der anderen Seite der Stadt wohnten. Teile der Uni und Museen, die in prachtvollen maurischen Gebäuden untergebracht sind, machen den Anfang.

Dann erahnen wir unter dem dichten Laubwerk und vorbeischlendernd an den gekachelten Ruhebänken, wie wohltuend kühl und ruhig es hier im Hochsommer sein muss. Claudi kann sich nur noch an wenig erinnern und hat keine Ahnung, wo es dann lang gehen könnte. Außerdem hat sich enorm viel getan in Sevilla in diesen Jahren. Jetzt kommt auch ein bisschen die Erinnerung, da war doch ganz viel Baustelle mitten in der Stadt. Ja genau, und nun fährt die Tram durch die Stadt und viel ist hergerichtet, echt schmuck und wieder den Besuch wert. Martin hat es voll im Griff und lotst uns zielsicher in das Viertel, in dem wir gewohnt haben, und so finden wir tatsächlich auch unser Kneipchen und freuen uns wie die Kinder. Betrieben wird die Kneipe allerdings nicht mehr von dem älteren Paar von damals, außerdem ist alles renoviert, ein bisschen dunkler als früher, aber schön. Dort wollen wir unser Mittagessen zu uns nehmen. Das war eine gute Entscheidung! Der Schinken schmeckt genauso lecker und auch der Käse, der Hühnchensalat und die Croquetas sind köstlich. Bier und Wein dazu und wir sind glücklich. Städtetage sind immer anstrengend, weshalb wir uns am frühen Abend auf den Heimweg machen. Es ist Freitag früher Abend, und die Spanier läuten das Wochenende ein. Unglaublich, was da los ist. Vor den Kneipen und Tapasbars, die man gar nicht mehr zählen kann, herrscht reger Betrieb und vor allem ein Riesenlärm. Die Damen und Herren scheinen schon einige Zeit zugange, sind bester Laune, haben lecker gefuttert und trinken gleich noch einen Rotwein oder ein Bier. Wir sind ganz fasziniert, wie eine Runde von 10-15 Menschen solch einen ohrenbetäubenden Lärm zustande bringt. Hammer! Kurzentschlossen machen auch wir nochmals Halt an einer dieser Bars und trinken einen Feierabendschluck im Stehen. Das ist eine tolle Kneipenkultur, die natürlich auch mit dem Klima zusammenhängt. Das würden wir uns für zu Hause auch wünschen.
Weil wir ja Zeit haben, fahren wir gar nicht weit, sondern machen gleich wieder Halt, nämlich bei Cádiz. Unser Platz liegt direkt über die Straße am Strand. Die Aussicht ist nicht sehr schön, weil man auf der anderen Seite der Bucht hauptsächlich den industriellen Teil des Hafens sieht, aber unser Platz ist super. So sauber war es noch nie. Die Duschen und Toiletten werden mehrmals am Tag geputzt, ebenso die Spül- und Waschräume. Nicht einmal Wäsche waschen in der Maschine darf man selbst, die Wäsche muss bei der Putzfee abgegeben werden. Passt aber zum sauberen Platz, den sonst sind die Waschmaschinen, also vor allem die Waschmittelfächer auf den Plätzen oft in einem schaurigen Zustand. Wir haben die Wäsche noch nicht abgegeben, wir waschen von Hand, aber wir sind sicher, dass das hier alles vollkommen proper ausschaut. Ansonsten ist der Platz eine Mischung aus Sand und Wiese, bei dem Wind, der gerade weht, knirscht es halt manchmal beim Essen :-), bepflanzt mit Palmen, Ficus und Nadelbäumen, und einige Rosen und Hibiskus blühen noch. Knallblauer Himmel und Sonne versüßen uns seit Tagen diesen Ort. Für unseren Besuch in Cádiz nehmen wir die Fähre. Dort am Hafen liegen zwei, davon ein großer Kreuzfahrer. Kaum angekommen und nach einem Mittagstisch gesucht, werden wir eine Stunde lang von fünf Bettlern heimgesucht. So intensiv ist uns das noch nicht passiert. Cádiz ist nun ja nicht die einzige und bekannteste Touristenstadt im südlichen Spanien. Liegt es daran, dass wir immer weiter nach Andalusien vordringen, wo die Krise mehr Spuren hinterlassen hat und bei Ankunft der Kreuzfahrer mehr auf den Beinen sind. Wir wissen es nicht. Wir, vor allem Claudi, sind nicht in Besichtigungslaune, weshalb wir ziellos ein wenig durch die Stadt schlappen. Einen Stadtplan haben wir auch nicht. Wir schlendern weiter, trinken noch Kaffee und nehmen die Fähre um halb sieben zurück. Das werden wir wohl nochmals versuchen müssen, mit besserem Schuhwerk und wenigstens einem Stadtplan ausgerüstet, um ein bissel was zu sehen.
Nahe unseres Platzes ist der kleine Ort Puerto de Santa Maria, der über zwei Supermärkte und auch alle anderen Geschäfte, die man so braucht, verfügt. Weil Martin’s Radl nach dem Aufpumpen nach wenigen Tagen vorne und hinten Luft verliert, wir aber in keinem der Schläuche das Leck erkennen können, entschließen wir uns nun zum Schlauchwechsel und holen auch gleich Nachschub im Radladen. Den gibts hier nämlich auch. Nun verstehen wir, warum doch schon einige sich hier winterfest einrichten. Supersauberer Platz. Immerhin direkt am Meer, alle Einkaufsmöglichkeiten ums Eck und tolles Wetter. Allerdings dürfte das Klima über den Winter hier etwas kühler sein, als in der Ostecke um Almería und Murcia, wo man den Atlantik bereits Richtung Mittelmeer verlassen hat. Wir wissen noch nicht genau, wo wir länger bleiben, aber wir sind ja mobil und können kurzfristig entscheiden. Wobei zu bedenken gilt, dass einige Plätze, die so ausgestattet sind und über eine entsprechende Infrastruktur im Umfeld verfügen, ab Mitte Dezember oft gestopft voll bzw. reserviert sind. Wir werden sehen. Jetzt genießen wir die schönen Tage hier, schauen, wie lange wir noch draußen frühstücken können (ja!) , fahren dann weiter Richtung Estepona, das ist Stückl um die Südspitze herum, um dort Claudi’s Bruder und Schwägerin einen Besuch abzustatten. Aktuelle Bilder …